Wolfgang Hebold

Die Verheerung Europas *

Ein Tagebuch des Niedergangs
Noch ein Blog? - Ja, noch ein Blog. Denn ein politisch denkender Bürger kann diesem Treiben nicht weiter stillschweigend zusehen. Politiker und Medien strengen sich an, Europa, das an Katastrophen in den vergangenen 100 Jahren nun wahrlich genug erduldet hat, in die nächste zu schicken. Stichworte: Verschuldung, Islamisierung, ethische Verwahrlosung, Verdummung durch Medien und Politik. Die Liste ist lang, sehr lang.
Was aber macht jemand, der weder über die Zeit noch die Mittel verfügt, in diesen Fall rettend einzugreifen? - Er dokumentiert den Niedergang für die Nachwelt. Aus seiner verengten Perspektive und mit beschränkten Mitteln. Aber mit der Freiheit, die diese persönliche Perspektive verleiht.
Sonntag, 15. November 2017
Die Stolpersteinreinwaschmaschine

Wer, wie ich, denkt, mit den sogenannten Stolpersteinen würde ausschließlich der ermordeten europäischen Juden gedacht, der liegt falsch. Tatsächlich hat die mittlerweile auch patent- und warenrechtlich geschützte Aktion »Stolpersteine« 1995 mit einem Stein für die ermordeten Roma und Sinti begonnen - nachlesbar für jeden in dem entsprechenden Wiki-Eintrag.

Der Übergang zu den ermordeten Juden erfolgte erst später, sozusagen unter der Hand. Es sollte also nicht wundern, wenn der Tagesspiegel einen Beitrag über die Entwendung von Stolpersteinen in Neukölln, genauer in Britz, am 7. November betitelt: »Gedenken an Holocaust-Opfer«. Hier wird suggeriert, die Stolpersteine stünden für Holocaustopfer. Doch als Opfer des Holocaust werden Juden bezeichnet - und eben nicht Sinti und Roma, Schwule oder politisch Verfolgte. Das Bezirksamt Neukölln bewegt sich gleichfalls auf dieser Linie, die jüdischen Opfer in die erste Reihe zu stellen, wenn es auf seiner Internetseite schreibt: Das Projekt Stoplpersteine »erinnert abseits der großen Mahnmale an die im Nationalsozialismus deportierten und ermordeten jüdischen Nachbarinnen und Nachbarn, aber auch an die Akteure des politischen Widerstands, an Homosexuelle, Roma und Sinti, Zeugen Jehovas und Euthanasieopfer«.

Es stimmt schon - überwiegend wird jüdischer Opfer gedacht. Doch gerade in Britz, also dort, wo vor einigen Tagen, von der Republik empört registriert, Steine verschwanden, handelt es sich vor allem um Stolpersteine für Kommunisten, wie ein Blick auf die Liste mit den in Britz verlegten Steinen verrät. Dass Nationalsozialisten, mit denen die Kommunisten bis zur Machtergreifung bekanntlich häufig noch eine gemeinsame Front gegen die verhasste Republik von Weimar gebildet hatten, sie, die Kommunisten, politisch verfolgten, ist sicherlich Fakt. Nur hat diese Art der Verfolgung wenig mit dem rassistischen Mord an Millionen Juden zu tun. Einem Kommunisten, der sich vom Internationalen zum Nationalen Sozialismus bekehrte, hatte im Machtbereich des national-sozialistischen Führers ein durchaus bekömmliches Leben. Ein Jude hatte dagegen im national-sozialistischen Deutschland keine Wahl.

Doch der schleichende Übergang der Aktion Stolpersteine von den ermordeten Juden zu ermordeten Kommunisten verdeckt diese Nähe, soll sie verdecken. Denn nun erscheinen Kommunisten wie Juden als Opfer, die ohne eigene Schuld ausgelöscht wurden. Da darf denn auch nicht mehr nachgefragt werden.

Wenn die BZ vom Fall des Stanislaw Kubicki, dessen Stolperstein fehlt. ausführlich berichtet und schreibt, er habe auch nach dem Einmarsch der Deutschen in Polen weiter im besetzten Warschau gelebt, und sein Sohn fragt: »„Wie er das gemacht hat, hat er mir nie erzählt. Da hat er irgendein Kunststück vollbracht“ - dann könnte man stutzen. Der Vater sei 1940 das erste Mal wieder in Berlin bei seiner Familie gewesen, ergänzt der Sohn: »„Er hatte Kontakt zur Botschaft von Mandschukuo aufgenommen. Dort holte er Geld ab und brachte es nach Warschau, wo damit die polnische Widerstandsbewegung finanziert wurde.“« Eine »halbe Millionen Dollar« sollen es gewesen sein. - Da kommt man ins Grübeln.

Was der Mann von der BZ scheinbar nicht weiß: Mandschukuo war ein von Japan installierter Marionettenstaat im Fernen Osten. Eine halbe Millionen Dollar von dort aus Deutschland nach Polen geschmuggelt? - Doch hier wird niemand fragen. Nicht der BZ-Report und auch sonst kein Medienmensch. Denn soviel weiß man aus Deutschland: Hinter jüdischen Opfern lässt sich vieles verbergen. Da fragt niemand nach.

Im Gefolge der ermordeten Juden kann nun auch die Morgenpost zusammen mit diversen linken Puiblikationen einen Wienand Kaasch als armes Opfer darstellen. Dass Kaasch ein Kaderkommunist, wie er im Parteibuche stand, war, wird geflissentlich übersehen. 1933 emigriert, kehrte er 1935 auf Befehl Stalins aus der Sowjetunion nach Deutschland zurück. Wird das kritisch beleuchtet? - Sicherlich nicht. Wissen diese Journalisten nicht mehr, dass in jenen Jahren in der Sowjetunion bereits ein kommunistischer Massenmord stattfand, der dem Morden der Nationalsozialisten um keinen Deut nachstand? - 14 Millionen sogenannte Kulaken ließen die Kommunisten mit voller Absicht verhungern. Hungermord wird der Massenmord noch heute genannt.

Schwer zu sagen, ob es Unwissenheit ist oder fehlendes Interesse. Die Entwendung der Steine galt jedenfalls umgehend als Akt antisemitischer Täter. Von Kommunisten hat kaum einer geredet. Und genau das ist von Linken gewollt. Diese Verschiebung passt in ihr Konzept der Verleugnung linker Verbrechen. So wird über die Stolpersteine das Fragen gleichsam verboten, weil man sich im Umfeld der ermordeten Juden bewegt. Und schon werden die Anhänger einer verbrecherischen Ideologie im Schutz der Erinnerung an die toten Juden gleichsam in den Stand des heiligen Opfers der Nationalsozialisten gehoben.

Linke suchen für ihre Täter und Mitläufer Unterschlupf bei den jüdischen Opfern. Ob die Initiatoren der Aktion »Stolpersteine« das so angedacht haben, kann ich nicht sagen. Aber die Linken missbrauchen diese Aktion derart für ihre politischen Zwecke. Sie instrumentalisieren über die Stolpersteine die Holocaustopfer. Linke schlachten Juden aus. Perfider geht es wohl kaum. Und so wird am Ende die Aktion Stolpersteine zur Reinwaschmaschine für Kommunisten. Dass ausgerechnet die Partei »Die Linke« dies tut, deren Antisemitismus mittlerweile bekannt ist, rundet die Sache ab.

Ob man der ermordeten Kommunisten gedenken sollte, ist schwer zu entscheiden. Aber mit Sicherheit hat der Funktionär eines Mörderregimes wie der Sowjetunion mit einer Anne Frank nichts gemein. Kommunisten und Linken können ja seiner gedenken. Das entspräche zumindest der Wahrheit der Geschichte ihrer mörderischen Ideologie. Aber ein Amt einer Deutschen Behörde hat mit staatlichen Geldern solches Gedenken nicht zu erhalten. Und das auch dann nicht, wenn eines der ja zahlreichen Opfer des Kommunismus den Stein entfernt haben sollte.

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Sonntag, 12. November 2017
Berlin, ein politischer Riesenspielplatz

Zu meinen schönsten Erlebnissen mit Pädagogen gehört eine Episode aus den Hochzeiten der Friedensbewegung: Sie, die hochmotivierten, von ihren Friedensideen trunkenen Kinder mäßig autoritärer Eltern, besorgten sich Spielzeug aus Holz und boten es zum Tausch gegen Kriegsspielzeug feil. Doch die Kinder, statt ihre Panzer und viermotorigen Bomber gegen Holzbausteine und Motorikschleifen zu tauschen, schleppten eben jene Produkte naturbelassenen Unvermögens heran, um endlich mit Panzerabwehrkanone und Düsenjäger die nächste Runde im Rüstungswettlauf beginnen zu können.

Ich weiß nicht mehr, wer blöder gekuckt hat - die ob des verweigerten Tauschgeschäfts enttäuschten Kinder oder die in ihren ideologischen Grundfesten erschütterten Pädagogen des Friedens. Nicht wenige hätte aus Verzweiflung am liebsten auf die kleinen Hände der Kinder eingedroschen. Ihre politische Botschaft war nicht nur missverstanden, sondern ins genaue Gegenteil umgekehrt worden.

Die Idee, über Spielzeug politische Botschaften an Kinder zu bringen, ist aber auch heute noch virulent; ja, heute womöglich mehr als jemals zuvor. In Neukölln etwa gibt es demnächst einen Spielplatz mit einer Moschee. Spielmoschee wird sie schon jetzt im Volksmund genannt. Der Bezirksbürgermeister versucht, sie als »orientalische Burg mit Basar« unter die Leute zu mogeln. Am überdimensionalen, aufgehenden arabischen Halbmond ändert das nichts. Die Kinder sollen sich wohl an ihre Zukunft unter islamischen Symbolen gewöhnen.

Spielplätze als Bühne politischer oder religiöser Symbole - das ist die konsequente Fortsetzung der Tauschaktion der Pädagogen von damals. Sie zeugt von einem bestimmten Verständnis von Politik. Politik als Spiel, Politik als Event. Die erste Generation, deren Kindheit durchs Fernsehen geprägt worden ist, bringt Politik und Spiel zur ästhetischen Deckung. Da passt die Performance Berliner Künstler, die zum Jahrestag der Oktoberrevolution vor dem Reichstag den Sturm auf das Winterpalais nachgestellt haben. Mal schauen, ob sie auch einen Platz für die ersten Massenerschießungen im jungen kommunistischen Russland ausmachen können. Bis es soweit ist, könnte man bei zur Neueröffnung des Berliner Stadtschlosses die Ermordung der Zarenfamilie nachstellen.

Diese Ideen lassen sich sicher erweitern. Zwar muss man nicht gleich die Machtergreifung durch die Nationalsozialisten durch einen kontrollierten Brand des Reichstags imitieren - doch die Umgebung des Reichstags bietet Areal genug für die Gestaltung, ja Schaffung von Spielplätzen auf und mit politischem Grund.

Nein, ich meine nicht die islamischen Busse, die als eine Art blecherne Berliner Mauer das Brandenburger Tor vor islamischem Ungemach schützen. Aber das Ehrenmal für die Rote Armee - ein Schandmal im Herzen der Berlins -; jenes Ehrenmal würde als Spielplatz flugs zum Symbol der Völkerversöhnung. Eine Tafel, auf der die Namen der Soldaten eingraviert sind, im Hintergrund und im Vordergrund die beiden T 34, heruntergenommen von den Podesten und freigegeben für spielende Kinder - das wäre ein wirklicher Spaß. Mit den beiden Geschützen ließe sich sicher ähnlich sinnvoll verfahren. Keine traurigen Kinderaugen, die zu den Panzern nur hochblicken können, ohne sie erklettern zu dürfen. Eine Rutsche zur Seite; eine Schaukel an der Kanone - doch die Details überlasse ich gerne den Leuten vom Fach.

Anschließend werden weitere Spielplätze im Stadtgebiet mit politischen und religiösen Symbolen verziert - ein Kreuz an einem Klettergerüst erinnert an die Rückeroberung Spaniens von den islamischen Herrschern; ein Davidstern auf einer Wippe mahnt vor der Macht israelischer Kampfjets. Ein Bürgermeister, das das eine als abendländische Burg mit Marktplatz und das andere als Erinnerung an eine Synagoge verkauft, die auf dem Gelände des Spielplatzes vielleicht einmal stand, wird sich schon finden.

Doch schon wird deutlich: Nicht in Berlin. Nicht unter einer rot-grünen Regierung. Die erinnert sich an Rote Armee und Roten Oktober und plant grüne Halbmonde auf; an christliche, gar jüdische Siegessymbole wird man schwerlich erinnert. Man gibt sich nicht mal neutral. Man frönt grünen und linken Ideen und will nicht wissen, dass sich die Stadt derweil in einen äußerst gefährlichen Riesenspielplatz verwandelt. Aber vielleicht lassen sich die Berliner Gören ebensowenig betrügen wie die Kinder von damals und werfen den Müll in die neuen Plumpsklos und Gendertoiletten, mit denen der Senat in einer Art Wahrnehmungsstörung über die wichtigen Dinge die Straßen und Plätze der Hauptstadt verunziert.

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Samstag, 11. November 2017
Das Morden, der Islam und die Busse

Kunstwerke kann man bekanntlich interpretieren. Denn sie sagen uns was. Die Frage ist nur:: Wie interpretiert man sie? Was sagen sie uns?

Kafka gilt als der Dichter mit der wahrscheinlich größten interpretatorischen Vielfalt. Was wurde in seiner sogenannte Käfergeschichte, »Die Verwandlung«, nicht alles gesehen. Man könnte auch sagen: hineingelesen, hineingedeutet. Dabei gibt es womöglich gar keinen tieferen Sinn. Sie ist wahrscheinlich nicht einmal als das düstere Stück gemeint gewesen, das viele Leser heute noch immer in ihr erkennen. Kafka selber soll beim Vorlesen immer wieder laut aufgelacht haben. Wer das weiß, hört das Stücke mit anderen Ohren. Jemand wacht am Morgen auf und ist in einen Käfer verwandelt. Er denkt wie ein Handlungsreisender, ist aber nichts weiter als ein auf dem Rücken liegender Käfer. Absurder geht es wohl kaum.

Andere Künstler waren geistig deutlich weniger vieldeutig und schafften Werke, deren Aussage auch noch der letzte Esel versteht, um es mit Johannes Brahms zu sagen. Picasso etwa ist so einer. Sein »Guernica« kennt keine Mehrdeutigkeit. Seine Sage ist platt wie ne Flunder. Ausnahmslos jeder linke Deutschlehrer kann sie verstehen. Und was das Bild sagt, verbreitet er nunmehr und einschläfernd unter die Schüler.

Schostakowitsch hat dagegen in der 7. Sinfonie eine fiese Zweideutigkeit hinterlassen. Den Marsch, der für viele den Siegesmarsch der Roten Armee darstellen soll, kann man auch als Anmarsch der Nazitruppen verstehen. Beide Lesarten passen in die Musik. Wer jetzt diskutiert hat nichts verstanden. Denn dass beide passen ist das, was Schostakowitsch mitteilen will. Mit solcher Subtilität kann man linke Staatsanwälte linken und ihren Mördern entwischen. Der bedeutendste Komponist des letzten Jahrhundert wusste genau, was er schrieb.

Mitunter ist die Sache jedoch noch etwas vertrackter. Da weiß der Künstler selbst nicht, was er sagt. Und genauso ist es mit den drei Bussen, die aus Dresden jetzt nach Berlin kommen sollen. Vor dem Brandenburger Tor ragen sie in den Himmel; zur Freude der Willkommenskultur und der ihr angeschlossenen Hilfsindustrie. Angeblich sollen sie für die Sinnlosigkeit und Unmenschlichkeit des Krieges in Syrien stehen, für überhaupt jeden Krieg in der Welt. Und natürlich ist da der flüchtige Flüchtling.

Tatsächlich sind diese Busse als Warnung gemeint. Nicht vom Künstler - oder doch? - nicht von den Initiatoren. Aber von einer tieferen Wahrheit. Die drei senkrecht aufgestellten Busse, die einstmals islamischen Mördern als Deckung vor Geschossen der Gegenseite gedient haben sollen, warnen vor dem Islam. Sie symbolisieren den moslemischen Mörder, der sich hinter Bussen, Sattelschleppern und Autos versteckt, um mit diesen Fahrzeugen in eine friedliche Menge zu rasen. Die drei Busse schreien Berlin und Deutschland und Europa entgegen: Seht endlich hin, euch droht der Tod durch den Islam. Passt ihr nicht auf, dann gibt es ein böses Erwachen und ungeahnte Zerstörung wird den Kontinent noch einmal erfassen.

Manchmal macht ein Kunstwerk sich eben unabhängig von dem, was der Künstler oder seine Adepten in es hineindeuten wollen. Dann spricht es die Wahrheit. Dann erst ist es groß.

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Mittwoch, 8. November 2017
Happy Birthday oder: Linke erschießen von hinten

Ja, ich weiß, der Geburtstag des ersten kommunistischen Staates war gestern. Aber ich habe den Geburtstag nicht etwa vergessen. Ich wollte nur einmal sehen, wie vergessliche die Linken diesmal denn sind. Denn sie mögen sich ja ihrer Jahrestage erinnern - ihre Verbrechen vergessen sie so eiligst wie möglich. Und so ist es ihnen gelungen, sich heute als Retter von Weltfrieden, Wohlstand, Bürgerrechten, Klima und Flüchtlingen darzustellen. Und das ohne einen Anflug von Scham, es sei denn, man deutet ihr Rot als Werden eines schlechten Gewissens, was ich erst einmal ausschließen möchte.

Dabei ist die Liste der Verbrechen durch Linke mörderisch lang. Und immer kreisen die Taten um das, wofür man heute angeblich kämpft.

Es beginnt mit der Revolution im russischen Oktober vor hundert Jahren. An die Macht geputscht und keine Spur demokratisch beginnen die Bolschewiki mit dem, was Linke am liebsten beginnen: Mit Krieg. Nicht irgendein Krieg. Nein, sie haben sich auf die böseste Art des Krieges, den Bürgerkrieg, spezialisiert. In anderen Ländern werden sie es später immer wieder genauso probieren: China, Griechenland, Korea, Vietnam, Jemen, Kambodscha sind nur eine kleine Auswahl vieler Stationen auf dieser blutigen Fahrt.

Und trotzdem schwafeln Linke weiter vom Frieden. Einige verbreiten sogar, links sei mit Frieden identisch. Unwissenheit oder Lüge? - Ich kann es nicht sagen.

Kaum ist die Macht konsolidiert, geht es mit der jungen Sowjetunion wirtschaftlich abwärts. Noch in keinem einzigen linken Land hat linkes Wirtschaften Erfolge gezeitigt. Aufwärts ging es immer nur dann, wenn man es mit ein klein wenig Kapitalismus versuchte. In Russland nannte man sie NEP; nicht von Nepper, sondern von Neue Ökonomische Politik; wie ich schon sagte, eine verbrämte Form des Kleinkapitalismus. Nun war man aber nicht kapitalistisch. Also war die ein klein wenig liberalere Ära sehr bald vorbei. Und wieder ging es schnurstracks in Richtung ökonomischen Abgrund.

Und trotzdem schwafeln Linke weiter von sozialistischer Wirtschaft. Unwissenheit oder Lüge? - Ich kann es nicht sagen.

Um den wirtschaftlichen Niedergang aufzuhalten, begann die linke Partei der Sowjetunion systematisch das Volk auszuplündern. Natürlich wurde der Raubzug ideologisch fundiert; er richtete sich gegen sogenannte »Kulaken«. Schon bald war jeder Kulak, der nicht Kommunist war. Der Massenmord wurde aus dem Kommunistischen Manifest in die Realitäten erhoben. Der Boden der Ukraine wurde so zum ersten Mal im 20. Jahrhundert zum Menschenschlachthaus Europas. Голодомор, Holodomor, Ermordung durch Hunger, nennt man es heute in Anspielung an den Holocaust. Der einzige Unterschied zum national-sozialistischen Massenmorden ist, dass die Opfer nach der begrifflichen Selektion durch die Linken auf der Rampe verhungern. Zwischen dreieinhalb und vierzehn Millionen Menschen verreckten auf diese Art in den frühen 1930er Jahren.

Und trotzdem schwafeln Linke über die Hungersnöte im Kapitalismus. Unwissenheit oder Lüge? - Ich kann es nicht sagen.

Dieses Massenmorden verfolgte einen ideologischen Zweck: Dem Volk wurde deutlich gemacht, was ihm blühte, wenn es gegen die linken Verbrechen aufstehen sollte. Das Große Schweigen begann. Aber zuvor mussten die Linken noch die eigenen Reihen von Kritikern säubern. Es begann ein gleichsam kommunistischer Selbstmord. Dem Großen Schweigen ging der Große Terror voraus. Deutlich über eine Millionen Parteimitglieder und Sympathisanten verschwanden. Noch heute dürften Linke sich eigentlich brüsten, mehr Linke ermordet zu haben, als sämtliche Kapitalisten und Faschisten zusammen.

Und trotzdem schwafeln Linke über die Rechte der Bürger. Unwissenheit oder Lüge? - Ich kann es nicht sagen.

Im 2. Weltkrieg kam dann in puncto Morden, Lügen und Unfähigkeit alles zusammen. Ein Abkommen mit dem angeblichen Feind in Berlin verschaffte das Vorfeld, in dem das linke Regime, dessen Geburtstag einige gestern glaubten feiern zu müssen, sich richtig austoben konnte. Ein beinahe verlorener Krieg gegen Finnland, die Ausrottung polnischer Offiziere in Katyn, der Einmarsch in die Baltischen Staaten und bis zuletzt die Versorgung Hitlers mit Rohstoff und Material, damit dieser seinen Krieg gegen den Rest von Europa fortsetzen kann - auch diese mörderische Liste ist lang. Die Linke wusste, auf welcher Seite sie steht.

Und trotzdem schwafeln Linke von ihrem Antifaschismus. Das aber ist eine Lüge.

Das linke Regime in Moskau hat Hitler so gut es ging unterstützt. Bis in die Morgenstunden des 22. Juni 1941 rollten die Züge nach Westen. Es war der treulose Hitler, der seine Kumpanen in Moskau verriet und seine Wehrmacht losschickte, dem linken Reich ein Ende zu machen. Es folgte ein Sammelsurium aus falschen Entscheidungen, drakonischer Maßnahmen und nacktem Terror; am Ende standen die Roten Armeen in der Mitte Europas. Die russischen Verluste waren, nicht zuletzt wegen der eigenen gnadenlosen Unfähigkeit, horrend. Aber die Linke stand im Begriff, den Kontinent komplett zu erobern.

Und trotzdem schwafeln Linke vom Sieg über Hitlers Armeen und den Opfern des russischen Volkes. Das ist in vielen Fällen schlichte Unwissenheit. Aber auch Selbsttäuschung ist im Spiel. Man will die Inkompetenz der ideologischen Kumpanen nicht sehen.

Auch nicht, wer die Waffen der Roten Armee direkt oder indirekt produzierte. Am Ende des Krieges sind schätzungsweise 8 Millionen Menschen in Haft; die höhere Schätzung lautet 15 Millionen. Von diesen werden um 1950 5% einfach ermordet. 400.000 bis 750.000 Opfer der Linken sind das.

Als das Massenmorden endlich ein Ende findet, wird die linke Macht psychologisch. Und das im doppelten Sinne: Sie setzt auf der einen Seite auf Symbole wie die Flüge ins All auf der Spitze von Naziraketen. Auf der anderen Seite werden die Gegner der Linken nicht mehr in die Totenhäuser gesteckt, sondern finden sich im Irrenhaus wieder. Das Reich der Linken erlangt einen gewissen Grad von Normalität. Immer ist diese bedroht. Immer kann die Linke gegen ihre vermeintlichen Feinde ausholen und morden. 1953 in Deutschland, 1956 in Ungarn und Polen, ab 1961 wieder in Deutschland, 1968 in Prag. Und neuerlich ergibt sich eine mörderisch lange Liste aus Terror und Utopie. Erst 1989, nach einem langen und verlorenen Krieg in einem bergigen Land, ist der elende Spuk endlich beendet.

Nur die Linke lebt weiter. Sie propagiert sich noch immer als Retter der Welt. Und noch immer sind die Mittel dieselben: Lüge und Unwissenheit.

Wenn die Linke sich heute aufbauscht, der Retter des Flüchtlings zu sein, dann stellt sie, insbesondere als deutsche Linke, die Realitäten der Geschichte arg auf den Kopf. Denn jeder linke Staat brauchte Grenzen, die einem Gefängniszaun gleichen. Auf Flüchtlinge wurde an jeder linken Grenze ohne Zögern geschossen. Denn linke Staaten brauchen die Mauer in der ein oder anderen Form. Das unterscheidet sie von allen anderen Staaten. Die brauchen Grenzen um sich zu schützen. An deren Grenzen wird den Übertretern der Grenze in die Augen gesehen und im Notfall geschossen. An Grenzen linker Staaten wird nicht in die Augen geschaut. Hier wird in den Rücken des Flüchtlings geschossen. Linke erschießen von hinten.

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Montag, 6. November 2017
In der Opferrolle

Dass jemand in eine Opferrolle hineinschlüpft, gehört zu den gängigen politischen Wendungen in diesem Land. Dabei wird unterstellt, das Opfer sei gar kein Opfer, es spiele sie nur, es trickse. Die Rede von der Opferrolle ist also in aller Regel im kritischen Tonfall gehalten.

Hier sind es Moslems, die sich gerne zum Opfer der Mehrheitsgesellschaft erklären, um dann Forderungen nach weiteren Moscheebauten zu untermauern; dort sind es Frauen, die sich all überall ob ihres Geschlechts als benachteiligt sehen, um dann eine weitere feste Stelle einer Gleichstellungsbeauftragte durchzusetzen; an anderen Orten wird Juden unterstellt, sich im Gefolge von Auschwitz in die Opferrolle zu bringen, um beim deutschen Steuerzahler weitere Gelder ergattern zu können. Immer stilisiert sich eine Gruppe zum Opfer. Und immer bedeutet die Rede von der Opferrolle, dass die Betroffenen das Opfer nur spielen.

Die neueste Variante dieses rhetorischen Spiels wird vom politisch-medialen Komplex aufgeführt: Die Alternative für Deutschland würde sich in die Opferrolle bugsieren und diese politisch für sich möglichst umfassend nutzen. Erst gestern gab der Berliner Tagesspiegel unter der Überschrift: »Wie die AfD Kritik für sich zu nutzen versucht« ein Beispiel für diese Art von Rhetorik. »Wird die AfD in Berlin tatsächlich ausgegrenzt, wie sie es immer wieder behauptet?«, wird zunächst gefragt und dann: »Oder begibt sie sich gezielt in die Opferrolle?«

Was als Analyse daherkommt, erweist sich dann als Beispiel einer perfiden Rhetorik, wie man sie auch anderswo findet. Nach dem Zugeständnis, dass es Anschläge gegen Mitglieder und auf Veranstaltungen der AfD tatsächlich gibt, wird darauf verwiesen, dass die AfD diese Vorfälle bei jeder Gelegenheit der Öffentlichkeit präsentiere. Will sagen: Die Fälle werden von AfD-Sprechern durch stete Wiederholung größer gemacht als sie sind. Originalton Tagesspiegel über den Berliner Vorsitzenden der AfD und die von ihm genannten Vorfälle: »Mantra artig wiederholt er sie bei jeder sich bietenden Gelegenheit.«

Damit ist deutlich gemacht, was ein Opfer zum Schauspieler einer Opferrolle degradiert: Es berichtet nichts Neues. Modern, wie man nun einmal ist, unterlegt der Tagesspiegel die angeblich wiederholten Fälle mit einem Link - bis auf einen. Der liegt erst eine Woche zurück. Nix da nur Wiederholung. Nur ist dem Tagesspiegel dieser Fall offenbar nicht bekannt. Aber mit der Wahrheit nimmt es der politisch-mediale Komplex bekanntlich nicht so genau.

Zur Opferrolle gehört aber nicht nur die Wiederholung des längst bekannten. Zu ihr gehört auch der empörte Gang vor den Kadi. Man fühlt sich durch Äußerungen beleidigt, beschimpft oder bedroht. Auch das zeichnet ein politisches Opferlamm aus: Es wird verbal attackiert. Im konkreten Fall hallte wurde die AfD als »rassistisch« bezeichnet. Für den Tagesspiegel ist dieser Vorwurf natürlich durch das Recht, die eigene Meinung frei äußern zu können, gedeckt. Wieder lautet der tiefere Vorwurf: Die AfD will sich in die Opferrolle bugsieren.

Nun weiß jeder mit einem gewissen Maß an Rechtsverständnis, dass die Freiheit der Meinung durchaus begrenzt ist. Und das Kriterium dafür ist der Charakter dessen, was jeweils gesagt worden ist. »Soldaten sind Mörder« ist wohl einer der bekanntesten Fälle gewesen. Man darf es sagen, wurde schließlich gerichtlich entschieden, aber nicht auf einen konkreten Soldaten verweisen. Zählt die Aussage, »AfD-Mitglieder sind Rassisten«, gleichfalls dazu? Ist es hier ähnlich? - Wohl nur dann, wenn der Vorwurf ähnlich schwer wiegt, wie der Vorwurf, ein Mörder zu sein.

Würde der Tagesspiegel und seinesgleichen ihre politische Agenda wirklich vertreten und Anti-Rassismus und Anti-Faschismus nicht nur als Mittel verwenden, den politischen Gegner moralisch zu diskreditieren, dann stünde »Rassist« oder auch »Nazi« moralisch auf einer ähnlichen Stufe mit »Mörder«. Nur stammen die Begriffe eben aus unterschiedlichen Sphären: Hier die Welt der Moral, dort die der Gerichte. Aber gemeint ist das Gleiche. Moralisch verurteilt werden soll hier. Die Frage ist dann allenfalls noch, ob »Rassist« oder gar »Nazi« nicht sogar schlimmer ist, als die Bezeichnung als »Mörder«. Gegen letztere kann man sich bekanntlich wenigstens wehren.

Aber der Tagesspiegel nimmt diese Begriffe ja auch nicht ernst. Begriffe wie »Rassist« oder »Nazi« sind für ihn zum Kleingeld des journalistischen Alltags einer Journaille geworden, die um ihren Machterhalt kämpft. Wie sollte das dann eine Beleidigung sein?

Wahrscheinlich ist das auch der Grund, warum jene, die der Alternative für Deutschland den Vorwurf machen, sich in die Opferrolle zu bringen, nicht merken, in welcher Ecke sie selber in diesem Punkt stehen.

Noch einmal zurück: Ob jemand Opfer ist oder das Opfer nur spielt lässt sich leicht prüfen. Man nimmt die Fakten und wertet sie aus.

Sind Moslems Opfer? - Offenbar nicht. Denn niemand wird in Deutschland derart gepampert wie diese in jeder Hinsicht minderbemittelte Gruppe. Sogar nach dutzenden Anschlägen mit Hunderten Toten werden Moslems zumindest noch nach Deutschland geholt. Die Rede vom Opfer ist bloßes Geschwätz.

Sind Frauen Opfer? - In vielen Gebieten sind sie es nicht mehr, in einigen immer noch und seit einiger Zeit in einigen wieder.

Und die Juden? Sind sie Opfer oder wurde die Opferrolle von ihnen genutzt? - Juden wurde der Trick mit der Opferrolle nach 1945 als Masche, um zum Beispiel an Geld zu kommen, mehr als einmal unterstellt. Dabei ließen sich die Kritiker auch durch die Fakten nicht stören. Auschwitz nicht mal geleugnet. Und trotzdem: Der Vorwurf, Juden spielten das Opfer als Rolle im Interesse des eigenen Fortkommens, blieb immer im Raum.

Und genau in dieser Ecke befinden sich jene, die der Alternative für Deutschland unterstellen, sie brächte sich in die Opferrolle, um diese dann politisch zu nutzen. Denn die Anschläge gegen Politiker, Stände und Versammlungen der AfD sind dokumentiert. Die Partei, obwohl demokratisch legitimiert, wird wieder und wieder bedroht. Neuerdings muss man bei einer Neuvermietung sogar von sich aus angeben, man sei in der AfD. Und das im Land der Nicht-Diskriminierung.

Nein, die AfD muss sich nicht die Opferrolle bugsieren. Ihre Mitglieder sind das Opfer des völlig außer Rand und Band geratenen politisch-medial Komplexes. Die Wände der Wirte sind wirklich beschmiert, die Verletzungen schmerzen tatsächlich, der Ausschluss aus der vermeintlich guten Gesellschaft trägt Züge einer anderen Zeit. Im Kampf gegen alles, was deutsch sein könnte, treibt der politisch-mediale Komplex alle schlechten Eigenschaften Deutschlands wieder nach oben. Und das in dem Glauben, eben das nicht zu sein: typisch deutsch. Und am Ende, wenn alles Deutsche durch das Deutsche ausgemerzt ist, kann die Willkommenskultur sagen, sie wäre das Opfer ihrer eigenen Rolle geworden.

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Dienstag, 3. Oktober 2017
Das neue Kanzlerreich

Wer wissen will, was die Willkommenskultur tatsächlich umtreibt, wirft am 3. Oktober am besten einen Blick in die Spalten der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, einem einstmals angesehenen Blatt, das zur Kanzlerpostille mutierte; wahlweise aber auch mal zum »Stürmer« des neuen Kanzlerreichs wird, wenn unter dem Titel Migranten im eigenen Land über Ostdeutsche Bürger gehetzt wird.

Diese Kultur des Willkommens kennt nur eines: Sie will erobern. Jeder ihrer Vertreter giert nach Vergnügen. »Ich will Spaß«, ertönt der Ruf, wenn sie marschiert. Spaß mit Nordafrikanern; Spaß mit Syrern; Spaß mit Moslems. »Ohne den Islam wäre Deutschland langweilig«, behauptet die grüne Frontfrau Göring-Eckardt und offenbart ihren wirklichen politischen Kompass, das Vergnügen. Für sie ist ein Volksfest erst wirklich spannend, wenn ein moslemischer Anschlag stattfinden könnte.

Für diese Spaßgesellschaft haben die Bürger Ostdeutschland weniger übrig. Sie wurden eben nicht ganz so verwöhnt. Sie mussten für ihr materiell kleineres Glück deutlich mehr tun. Weil das so ist, haben sie sich bestimmte Selbstverständlichkeiten bewahrt, etwa die Achtung vor dem Gesetz, den Erhalt von Traditionen, das Recht auf die Äußerung der eigenen Meinung zum Beispiel bei einer Wahl. Gerade vom Wahlrecht machen die Ostdeutschen nun seit einiger Jahren in einer Weise Gebrauch, die den Anhängern der Willkommenskultur nicht passt: Sie wählen in immer größerer Zahl die Alternative für Deutschland.

Das setzt die Machthaber vom Rhein unter Druck. Denn anders als praktisch alle osteuropäischen Staaten, die die Islamisierung Europas gleichfalls nicht klaglos hinnehmen wollen, wohnen die Ostdeutschen mit den Westdeutschen in einem Staat. Sie können also durch ihre Wahlentscheidung bestimmen, ob es so weitergehen soll wie bisher. Und das passt der Willkommenskultur nun so gar nicht ins Konzept.

Wie immer werden die Medienhunde von der Kette gelassen, heute hört er auf den Namen Ralph Bollmann. Dieser kommt nun besonders perfide daher, indem er die Ostdeutschen als Migranten bezeichnet, Migranten in einen Westdeutschen Staat. Für Herrn Bollmann war die Wiedervereinigung »eine der größten und plötzlichsten Einwanderungswellen der Geschichte.«

Deutlicher hat selten einer gesagt, was die Wiedervereinigung für ihn ist: Die Landnahme Richtung Osten. Im Kopf dieses Schreibers war der Osten Deutschlands bereits Teil seines Landes und die Ostdeutschen sind gleichsam aus dem Boden hineinimmigriert. Denn von außen sind sie ja offenbar nicht gekommen. Ostdeutschland versteht dieser Mann als Eigentum der westlichen Willkommenskultur - und ich fürchte, er ist nicht der einzige, der das so sieht. Und es passt ja auch, zu den Allüren der Berliner Regierung, Osteuropa zur Aufnahme weiterer Moslems zu zwingen, gleichsam Lebensraum für Moslems im Osten zu schaffen. Kein Wunder dass Bollmann folgert: »Einiges spricht für die These, dass die Ostdeutschen so etwas sind wie Migranten im eigenen Land.« - Migranten im eigenen Land - das muss man zwei- und dreimal lesen. Hat der Mann vergessen, wem das Land vor 1989 gehörte?

Und womit begründet Bollmann seinen kruden Gedanken? - Mit den Stimmanteilen der AfD. Für ihn ist klar, dass die Alternative für Deutschland nicht in sein Land passt. Und wie so häufig, wenn ideologisierten Deutschen etwas nicht passt, schaffen sie es außer Landes. Sie definieren die Ostdeutschen um zu Migranten; Leute also, die nicht in diese Landesteile gehören.

Der Rest der Beitrags der FAZ ist die übliche Bauchrednerei von Leuten, die eines der vielen westdeutschen Soziologie-Seminare besuchten. Er gipfelt in der Beschreibung eines Besuchs in Bad Schandau, das mit fast 40% AfD bei den Frontkämpfern der Willkommenskultur so was wie Ekel erzeugen. Es sei doch grotesk, dass sich ausgerechnet dieser Ort an der Grenze zu Tschechien, der sein Geld ganz zuerst mit Tourismus verdient, für die Alternative für Deutschland entscheidet. Tourismus und AfD - das geht im gleichgeschalteten Hirn eines Ralph Bollmann schwerlich zusammen.

Nun ist dieser Gedanke nicht gerade neu; er gehört zu dem Hinweis, dass die AfD überall dort wirklich stark sei, wo es keine Flüchtlinge gibt. Nur wahr ist er durch die ständige Wiederholung noch nicht geworden. Denn was Bollmann vergisst: Die Tschechen auf der anderen Seite der Grenze haben mit der Flüchtlingspolitik von Frau Merkel überhaupt nichts im Sinn. Für Tschechen ist der Zuzug von Moslems keine Option. Und auch deshalb wird die Alternative für Deutschland z.B. von Vaclav Klaus unterstützt - dem ehemaligen Präsidenten des Landes. Während die Regierung Merkel sich also in den Fußstapfen Heydrichs bewegt, gelingt der AfD eine Annäherung an den Nachbarn mit Zukunft.

Nach dieser völkischen Küchenpsychologie kommt Bollmann dann doch zur Sache. Er droht mit dem Entzug von Geldern. »Dass man Leuten, die demokratische Prinzipien in Frage stellen, nicht auch noch mit mehr Geld entgegenkommt, gilt gemeinhin als Konsens.« Seltsam, dass die Willkommenskultur dieses Prinzip bei der Aufnahme von moslemischen Flüchtlingen dauernd verletzt. Aber so ist sie nun mal, die Willkommenskultur: Bigott und tief verwurzelt in den übelsten Zügen der deutschen Geschichte.

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Freitag, 29. September 2017
Die Blauen

Die Blauen! So soll also die Nachfolgepartei für Frau Petry und ihren Gatten heißen. Oder doch so ähnlich. Der Name ist Programm: Man macht auf bayerisch-blau.

Petry als Frontfrau einer bundesweiten CSU. So muss der Plan gewesen sein, der darauf spekulierte, dass die CSU gut, Merkel schlecht und die AfD noch schlechter abschneidet; am besten unter 5% sinken und 3 Direktmandate in Sachsen gewinnen. Der Bundestag wäre sicher gewesen mit Petry als direkt gewählter Anführerin. Dann hätte sie die AfD als Ableger der christlich-sozialen auf regierungsfähig getrimmt. Was München sich nicht getraut - mit Petry wäre es als Angebot möglich gewesen. In den nächsten vier Jahren hätte man weiter gesehen. Die CSU flankiert von einer AfD mit entscheidend vielen Wählern im Bund - das hätte die CSU nicht ablehnen können.

Nur sind die Wähler schon wieder einen Schritt weiter gewesen. Sie haben, hinterfotzig wie sie sind, Merkel und ihren bayerischen Schoßhund abgewatscht und die AfD sitzt bei 13% den Sozialdemokraten im Nacken. Gründet Petry nun eine blaue Partei, dann bleibt die sicher ganz deutlich unter der 5% Marke stecken. Sie muss also so schnell wie möglich mit der CSU fusionieren. Denn ihr Direktmandat erhält Petry sicher nicht wieder. Deshalb sind sie und ihr Mann aus der AfD ausgetreten. Doch wie gesagt: Den Wahlerfolg der AfD hatten sie nicht im Kalkül. Offenbar sind sie in ihren Gedanken schon so weit, dass sie Umfragen glauben, die keinen Glauben verdienen. Nun aber sitzen sie als Quartalsverlierer im Parlament; am Katzentisch, dort wo die spärlichen Reste der Linken vor einigen Jahren neue Wege zum Kommunismus ausloten durften.

Die CSU geht jetzt nicht mehr in den Bund; dafür ist es zu spät. Vor 5 Jahren - da hätte ein solcher Sprung das Schicksal der Alternative für Deutschland besiegelt. Heute bedroht er auf lange Sicht die CSU. Denn sie braucht ein uneinnehmbares Bayern. Ohne ihre Direktmandate dort müsste sie im Bund über die 5%-Hürde springen; zugleich würde ihr eine dann in Bayern konkurrierende CDU Stimmen abnehmen. Hier könnte mehr ins Rutschen geraten, als den Christlich-Sozialen lieb sein dürfte.

Wie aber kann sich die CSU gegenüber der AfD nun verhalten? - Sie muss sich gegen sie profilieren. Das aber geht nur, indem sie sich gegenüber der CDU profiliert. Das kann mit einer Obergrenze geschehen und einer Migrationspolitik, sie sich deutlich von dem unterscheidet, was Deutschland derzeit erduldet. Und sogleich wird die Regierungsbildung in Berlin zum ernsten Problem.

Bei diesem Spagat ist die Alternative für Deutschland der lachende Dritte. Denn je länger die CSU rumeiern muss, umso höher wird der Prozentsatz der AfD in Bayern. In einem Jahr schon wird sich das zeigen. Erreicht die AfD dann bei den Landtagswahlen 16 oder gar 20% und landen die Christsozialen bei dem Wert von letzten Sonntag - dann wird es spannend. Mit den Sozialdemokraten könnten sie anschließend zwar koalieren; aber um welchen Preis? Die konservativen Wähler werden beim folgenden Urnengang wissen, wer ihre Werte vertritt.

Danach kommt der entscheidende Schritt: Bayern wird zum Hessen der Alternative für Deutschland. Dort, also in Hessen, hatten die Grünen ihren Zug durch die deutschen Parlamente begonnen und sich an einer Regierung beteiligt. In Bayern wird entsprechend die AfD mit der CSU koalieren.

Das ist Zukunftsmusik, ich weiß. Aber diese beide blauen Parteien haben noch eine. Die andere, die von Petry womöglich geplante blaue Partei, die hat keine Zukunft. Schon weil Martin Schulz gut zu ihr passte.

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Sonntag, 25. September 2017
Der Fluch von Jamaika

Die gestrige Wahl zum Bundestag könnte eine historische werden; denn zum ersten Mal seit 1949 sitzt wieder eine gesamtdeutsche Partei im Parlament. Ihr gegenüber sitzen dagegen die Reste einer vergangenen Zeit. Parteien, die in getrennten Landesteilen entstanden waren und niemals eins werden konnten. Denn nur ein Motiv hält sie wirklich zusammen: Die Gier nach politischer Macht.

Diese Macht ist ein Schatz. Es ist ein Schatz, von dem jeder auch nur halbwegs anständige Politiker wissen muss, dass er nur eine Leihgabe ist. Eine Leihgabe in Form von Kanzlerschaft und Regierung. Doch die Gierigen begannen gleich gestern abend die Posten erneut unter sich zu verteilen. Klar scheint zu sein, wer sich diesmal bedient: Die Kanzlerin, Christsoziale, Grüne und Liberale. Nach Jamaika benennen sie sich und strahlen; Jamaika in der Karibik.

Doch über diesem Wahlsieg liegt ein Fluch; schon dass nur noch wenige, ja recht eigentlich nur eine Konstellation möglich ist, hätte auffallen müssen; es deutet sich eine Zwangslage an, sozusagen ein Fluch von Jamaika. Allerdings scheint keiner der Beteiligten davon etwas zu spüren. Das Glück, demnächst Minister zu werden, hat sie übermannt. Und so merken sie nicht, dass sie in Wahrheit als Untote die politische Landschaft durchpflügen. Was sich gestern abend bei der einmal Elefantenrunde genannten medialen Zusammenkunft der Gewählten auf der Mattscheibe als mögliche Regierung zeigte, war daher auch keine Runde von Elefanten und ihren symbiotischen Kleintieren, sondern - ganz im Sinne des berüchtigten filmischen Vorbilds - ein Rat von Piraten, die weder sterben können noch wirklich leben.

Hier eine Grüne, die froh war, nicht auf die 5%-Grenze aufgelaufen zu sein; dahinter ein Liberaler, der blass wie ein gerade für kurze Zeit Wiederbelebter erschien; in der Mitte eine wie immer einnehmend grinsende Kanzlerin, von der alle wissen, dass sie diese Wahlperiode nicht bis ans Ende beschreitet; rechts von dieser ein Christsozialer, der nicht merkt, dass die AfD sie, die Christsozialen, obsolet machen könnte. Alle hält nur eine Klammer zusammen: Die Gier nach der Macht, ausgedrückt durch den Hass auf den einzigen, wirklich andersdenkenden politischen Gegner, die AfD.

Wie gesagt: Über dieser Clique liegt ein Fluch, der Fluch von Jamaika. Im Tageslicht des Regierens wird jeder erkennen, um wen es sich tatsächlich handelt. Denn diese drei Parteien halten keine zwei Jahre durch. Warum nicht?

Weil die CDU in der Migrationspolitik von heute an in der Zwickmühle klemmt. Bisher konnte Merkel diesem Kurs folgen, denn es ja nichts rechts neben ihr; und die CSU mit ihren Warmduschern hat niemals mehr gemacht als gedroht und geredet. Doch jetzt hat das Grasen nach links in sofern ein Ende, als man am anderen Ende mindestens entsprechend verliert. Doch zugleich muss die Union in der Migrationspolitik den Grünen etwas anbieten können. Merkel zieht also diesmal notgedrungen nach links; zumindest steht sie an der Spitze einer Regierung, die den entsprechenden Eindruck vermittelt. Denn die Grünen stehen bei diesem Thema noch weiter links als die Sozialdemokraten und müssen ihrerseits punkten. So oder so - die CDU kann nur verlieren.

In der Energiepolitik ergibt sich das gleiche Dilemma - nur eben mit den Freidemokraten. Die CDU kann versuchen noch grüner zu werden und auch weiterhin jedes ökologische Projekt runherum fördern, egal wie ökonomisch kostenzehrend es ist. Ab irgendeinem Punkt macht die FDP nicht mehr mit, kassiert danach aber die Stimmen, während die Übernahme grüner Positionen den Christdemokraten nichts nutzt, da mit den Grünen der Nutznießer in der Regierung plaziert ist.

Am ehesten dürfte noch die Einigung über den weiteren Kurs in Europa gelingen. Nur zeigt sich gerade auch an diesem Thema, was sich im Bundestag durch das Erscheinen der Alternative für Deutschland verändert: Es gibt nicht nur eine Alternative nach links, sondern eben auch in die andere Richtung. Dort lauert nun ein politischer Gegner, der z.B. in der Türkeipolitik die Mehrheit der Deutschen vertritt. Jetzt wird mit Erdogan Klartext geredet; nicht mehr in Internetforen oder in dunklen Spelunken, sondern im Parlament. Das gibt sich nicht gleich in Entscheidungen kund. Aber beim nächsten Kuschelbesuch in Ankara hagelt es Fragen.

Das Spannungsfeld ist damit deutlich benannt: Die CDU wird zwischen den Blöcken zerrieben. Ohne Obergrenze wird sie schnell merken, wie untergrenzenlos ein Wähleranteil absinken kann. Aus den 33% werden dann schnell auch mal 25% oder auch weniger. Wer es nicht glaubt, wirft am besten einen Blick auf die Genossen. Springt die CDU dann mittendrin ab, wird sie wenig ernten, eher wohl nichts. Die AfD liegt dann eben bei 20 oder 25%.

Kaum weniger stimmungsvoll wird es auf der linken Seite der parlamentarischen Bühne zugehen. Dort kommen sich Sozialdemokraten und Kommunisten ins Gehege. Falls die SPD glaubt, durch den Austritt aus der Regierung wieder mehr Stimmen zu fangen, hat sie sich sicher verrechnet. Denn die Wähler kehren nicht mehr zurück. Sie haben die SPD für eine ganze Weile als Schoßhündchen von Frau Merkel gesehen und vergessen es nicht. Und die Dauerhetze gegen die Alternative für Deutschland wird irgendwann langweilig werden, zumal die indirekte Behauptung, die AfD sei undemokratisch lächerlich wird bei einer Partei, die gerade mal 7%-Punkte hinter den Sozialdemokraten erscheint.

Nein, die Ränder werden gewinnen. Nur dass der linke Rand linker Rand bleibt, während der rechte Rand tatsächlich Fleisch aus christdemokratischem Fleisch ist. Für die Alternative für Deutschland hat sich nach gestern daher eine strategisch günstige Lage ergeben. Sie muss sie nur richtig nutzen.

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Sonntag, 17. September 2017
Und Merkel entschuldigt sich nicht

Die Willkommenskultur basiert zentral auf Mitleid. Mitleid mit Flüchtlingen, Mitleid mit Asylanten, Mitleid mit politisch Verfolgten. Aber dieses Mitleid ist immer an Kulleraugen gebunden. Jemand muss leiden, damit die Willkommenskultur auf Trab kommt. Wer aus dem Mittelmeer herausgeholt wird, nachdem er sich selber hineingestürzt hat, der wird, wenn nötig, bis in die 2-Raum Wohnung chauffiert. Anschließend gibt es gratis den Sprachkurs in einem Nachbarschaftszentrum. Es folgt der betreute Weg durch die Ämter. Dem Bemitleideten ist ohne Vorbedingung zu helfen.

Seltsam ist nur: Warum haben diese munteren Helfer sich nicht auch schon früher um jene gekümmert, die Hilfe brauchen? Warum wurden die schlecht gebildeten Schüler nicht schon vor Jahren von Hilfswilligen Senioren in großem Stil und staatlich flankiert pädagogisch betreut? Warum war die Presse nicht schon vor Jahren voll mit Aufforderungen an Unternehmen, Jugendliche auf Dauer zu unterstützen?

Weil die Willkommenskultur ein Produkt des Konsums ist. Vorgestern wurden Nierentischkollektionen konsumiert, anschließend Pille und Autos und später folgte das eigene Haus - und als all das drohte, reizlos zu werden, verlegte man sich auf den Flüchtling. Besonders beliebt sind Kinder; getoppt nur noch durch unbegleitete schwangere minderjährige Mädchen.

Mit dieser Mitleidsnummer touren Merkel und und ein tränensackiger Schulz durch die Landen und Gabriel verbreitet lautstark, er liebe die Türken und die Türkei. Nur auf eine Gruppe von Menschen haben diese Mitleidskonsumenten noch niemals in geeigneter Weise verwiesen: Auf die deutschen Opfer der Flüchtlingswelle von 2015. Natürlich kondolieren diese Politiker der Willkommenskultur nach jedem Massenmord durch Moslems ein weiteres Mal. Aber auf die Verantwortlichen für diese Morde, also auf jene, die ermöglichten, dass so etwas hier und heute geschieht - auf sie verweisen sie niemals.

Doch wer hat die Opfer der Massenmorde auf dem Gewissen? - Bei den Opfern unter den sogenannten Flüchtlingen können alle wenigstens einen Schuldigen nennen; sie zeigen mit ausgestreckten Fingern auf die Herkunftsstaaten, auf Warlords und natürlich auf die allgegenwärtigen Schleuser. Aber auf wen müsste man zeigen, dass er mitverantwortlich ist für die Morde? Mitverantwortlich mit einer Art schlechtem Gewissen, dass diese Taten geschahen und mit einem selber in einem Zusammenhang stehen? - Auf die islamischen Mörder wohl kaum. Sie sind, als gläubige Moslems, überzeugt von der Richtigkeit ihres Verbrechens und darauf auch noch stolz. Und von den anderen Moslems hört man gleichfalls nicht viel. Auch bei ihnen findet man kein schlechtes Gewissen und sondern fast ausnahmslos rotzfreche Empörung, dass man ihre Religion in die Nähe dieser Untaten zu rücken auch nur wagt.

Nun stehen die viele Moslems in einer lediglich ideologischen Nähe zu den islamischen Mördern. Man muss von ihnen kein schlechtes Gewissen erwarten. Aber Politiker, die diese Politik der offenen Grenzen goutierten, - diese Politiker sind mitverantwortlich für die Möglichkeit der Messer- und Bombenangriffe. Natürlich haben sie selber keine Bombe geworfen. In diesem Sinne fehlt so etwas wie Vorsatz. Aber diese Politiker haben durch ihre Politik es überhaupt erst möglich gemacht, dass diese Mörder problemlos zu uns ins Land kommen konnten. Ohne ihre Politik hätte es die meisten der Mordtaten schlicht nicht gegeben.

Wenn das aber stimmt, dann hätten Politiker mit einem Funken moralischen Anstand im Leib sich bei den überlebenden Opfern und den Nächsten der Ermordeten schon längst einmal für ihre Entscheidung entschuldigt. Und sei es nur, dass sie erklärten, es täte weh, die Opfer zu sehen. Doch aus dem Mund eines Sigmar Gabriel schlägt den Opfern nur kaltes Salbadern entgegen. Zu keinem Zeitpunkt hat ein Martin Schulz um Vergebung dafür gebeten, dass als Folge seiner Handlungen ein Kind seinen Vater und eine Frau ihren geliebten Mann im moslemischen Mordrausch verlor. Und auch Merkel denkt nicht eine Sekunde daran, bei den Opfern ihrer Entscheidung um Entschuldigung dafür zu bitten, dass ihre Mitleidskultur den Tod der Liebsten einkalkulierte.

Und genau darin, in diesem gänzlichen fehlenden Mitleid für die Opfer ihrer Politik der offenen Grenzen, erweist sich die ganze moralische Verkommenheit dieser Figuren und ihrer Willkommenskultur.

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Samstag, 07. September 2017
Die Liebe zum Vaterland

I

[Vortrag, gehalten am 6. September vor AfD-Mitgliedern]

Immer, wenn ein Gegenüber sagt, er wäre ein Patriot, zuck ich unwillkürlich zusammen. Schlägt er sich dabei auf die Brust, dann ist ihm ein bedenkliches Kopfschütteln meinerseits sicher. Denn Deutschland macht es einem als Vaterland nicht so ganz leicht. Es scheint so schwierig zu sein, wie die Muttersprache der Deutschen. Sich mit Deutschland als einer Art Vaterfigur zu identifizieren, ist daher ein Unterfangen, das, weil es so schwerfällt, viel Herzblut verlangt.

Das war nicht immer so. In vergangenen Zeiten bezeichnete man sich in Deutschland von Links- bis Rechtsaußen wie selbstverständlich als Patrioten. Erst beginnend mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde das anders. Und in den letzten Jahren ist es Mode geworden, dem deutschen Vaterland ganz abzuschwören. Das Wort »Patriotismus« ist verdächtig geworden; so verdächtig, dass es im Bundesprogramm der AfD nicht ein einziges Mal genannt wird.

Dabei täten gerade wir gut daran, Position zu beziehen. Wir müssen den Begriff der Vaterlandsliebe erklären. Einmal gegenüber dem politischen Gegner; dann der Öffentlichkeit gegenüber; aber auch und vor allem unseren eigenen Leuten. Nur so beugen wir Ausrutschern vor, die aus einer undeutlichen und damit bieg- und verbiegbaren Begriffsbestimmung resultieren. Mit einem klaren Begriff von Patriotismus schiebt uns keiner mehr in eine Ecke, in die er uns, aus welchen Gründen auch immer, hineinstellen will.

Patriotismus, Vaterlandsliebe - da hätten wir zunächst zu erklären, was das denn ist, von dem wir hier reden, von dem wir sagen, dass es geliebt wird oder geliebt werden könnte: Das Vaterland. Umgehend stoßen wir auf die alte, beliebte und immer wieder umkreiste Frage: »Was ist des Deutschen Vaterland?« Seit Moritz Arndt sie 1813 in einem Lied formuliert und mit immer der gleichen Zeile beantwortet hatte: »Sein Vaterland muss grösser sein!«; seit jenen Tagen beschäftigt sie uns. Einerseits geographisch; aber andererseits auch kulturell. Denn die Lage des Landes hat sich seit jenen Tagen wieder und wieder verändert. So wird aus der Frage nach dem Vaterland schnell die Frage nach dem, was deutsch denn nun eigentlich sei. Eines steht dabei fest: Eine deutsche Kultur gibt es und hat es in den vergangenen Jahrhunderten immer gegeben. Und es braucht schon einen Ötzi aus einem Tal in den anatolischen Bergen, um das zu leugnen.

»Was ist deutsch?« - Wagners Frage kennt viele Antworten und jede hat gute Gründe für sich. Da ist ganz zuerst die deutsche Sprache. Doch was sag ich zuerst. Die Musik wäre auf gleicher Stufe zu nennen, denn in ihrer abstraktesten und zugleich sublimsten, weil sprachlosesten Form stammt sie ganz zuerst aus dem deutschen Kulturraum. Wie kann man da ernsthaft bestreiten, sie wäre nicht auch typisch deutsch? Und falls Hermann Hesse recht hat, wenn er sagt, dass die Musik, also die sogenannte klassische Musik am Ende vielleicht das einzige ist, was die westliche Welt der Welt hinterlässt - dann hätten die Deutschen sich in die Ewigkeit eingeschrieben.

Natürlich zählt auch die Liebe zur Weisheit zu den Eigenschaften, die man typisch deutsch nennen kann; philosophisch gedacht wird zwischen 1780 und 1890 alles Wesentliche auf Deutsch. Und wie sie deutsch war, diese Philosophie; in höchste Regionen und tiefste Abgründe verführte der Deutsche Idealismus seine Denker; darin vergleichbar einer Literatur, die der deutschen Innerlichkeit ihren sprachlichen Ausdruck verlieh.

Nicht ganz so bekannt aber nicht weniger dem intensiven Denken verpflichtet sind die deutschen mathematischen und logischen Denker. Denkerische Extreme auch hier. Bernhard Riemann verlässt den Raum der Anschauung und stösst vor in ganz anders zu vermessende Räume; Cantor überschreitet das Unendliche hin zu Unendlichkeiten - ausdrücklich Plural; Gottlob Frege zielt aufs Große und Ganze allen Rechnens mit Zahlen; Kurt Gödel erreicht schließlich die Grenzen des formal beweisbaren Denkens und führt damit die Mathematik an einen Abgrund. Riemann, Cantor, Frege und Gödel - sie alle haben auf Deutsch und im gewissen Sinne auf deutschen Wegen gedacht: Sie teilten die Sehnsucht nach der Überschreitung von Grenzen und paarten sie mit logischer Schärfe. Schon stoßen wir auf Eigenschaft, die man seit längerem ebenfalls, aber mit einem Naserümpfen typisch deutsch nennen würde: Genauigkeit, Ordnungsliebe und Pedanterie. Ist nicht der ganze Reichtum und die immer wieder auch unglückselige Größe Deutschlands im Grunde bis heute seiner in der Welt gerühmten Ingenieurskunst geschuldet? In der Wissenschaft ist es nicht anders. Zwischen 1901 und 1932 gehen zumindest jene Nobelpreise, die man ernst nehmen kann, am häufigsten an Forscher aus Deutschland.

All diese Dichter und Komponisten, Denker und Logiker - sie stammten aus und wirkten in Deutschland. Ihre Namen sind mit Städten verbunden wie Weimar, Jena und Leipzig. Sind sie dann aber nicht auch mit diesen Landen verbunden? Sind nicht wir auch mit diesen Landen verbunden, innig verbunden? - Nehmen wir Jena. Die Stadt war für mich einerseits die Wirkungsstätte von Hegel, Frege und Zeiss. - Ich sagte es schon, auch die Ingenieure gehören zu Deutschland. - Jena war mir also geläufig. Aber zugleich war es weiter weg als Paris, London oder Venedig. – Ja, ich bin aus dem Westen. – Dann rückte es näher. Heute ist mir der Hochhausturm in der Mitte der Stadt ein einziger Graus. Jena ist Teil meiner inneren, sozusagen seelischen Landkarte geworden. Ihre ästhetische Verletzung durch architektonische Schamlosigkeiten erlebe ich als köperliche Verletzung.

Dieses, unser Land liegt mir am Herzen; ich liebe seine Kultur. Und doch bleibt das Zurückschrecken beim Wort Patriotismus, von dem ich anfänglich sprach. Liebe ich also mein Land nicht? - Schwer zu sagen; es ist ja nicht einmal geklärt, um welche Art von Liebe es denn eigentlich geht, wenn Vaterlandsliebe propagiert oder verdammt wird.




II

Vaterlandsliebe - alle Welt hält sich beim Vaterland auf und vergisst zu fragen, welches Gefühl es denn ist, das uns umgibt, wenn wir das Vaterland lieben. Was also hat es auf sich mit dieser Liebe, mit der Liebe zu einem Land? An dieser Stelle wird gerne der ehemalige Bundespräsident Gustav Heinemann zitiert, der auf die Frage: »Lieben Sie dieses Land?«, gesagt haben soll: »Ich liebe meine Frau.« Es wird also, insbesondere von selbsternannt kritischen, will heißen vernünftigen Geistern, kategorisch geleugnet, dass es eine Liebe zu einem Land geben kann.

Aber hier beginnt schon das politische Alltagsgeschäft. Denn Heinemann wird fast immer verkürzend zitiert. Tatsächlich hatte der »Spiegel« gefragt: »Lieben Sie diesen Staat?«. Worauf Heinemann sagt: »Ach was, ich liebe keine Staaten, ich liebe meine Frau; fertig!« - Es war also vom Staat, genauer von Staaten die Rede und nicht von einem Land. Ohne zu wissen, was Heinemann tatsächlich gesagt haben würde, darf ich vermuten, dass er auf die Frage, ob er sein Land lieben würde, anders geantwortet hätte; womöglich hätte er auf einen ewig papierenen Verfassungspatriotismus verwiesen.

Nun gut, wir wissen es nicht. Aber die Frage, ob wir einen Staat lieben können gar sollten, wird wahrscheinlich öfters skeptisch beantwortet werden. Einen Staat liebt man nicht. In einem Staat findet man seine Ernährungsgrundlage. Der Staat sorgt für die kulturelle Umgebung. Von einem Staat wird man beschützt. Den Staat würde man im Fall der Bedrohung beschützen, womöglich sein Leben riskieren. - Aber ist denn das keine Liebe?

Also noch einmal: Welche Art Liebe ist die Vaterlandsliebe? - Gehen wir noch einmal zum Anfang zurück. Die Sprache gilt als das, was wir am sichersten bezeichnen mit: Es ist deutsch. Und ich denke, jeder hier wird sagen: Er liebt seine Sprache. Nur dass es nicht meine ist. Die Sprache ist immer unsere, unsere gemeinsame Sprache. Also lieben wir etwas, an dem alle teilhaben können. Wir fördern sie, diese Sprache. Wir sind empört über jene, die sie mit allem möglichen unästhetischen Blödsinn verhunzen. Und wenn Poltiker der Grünen oder der Sozialdemokraten wie selbstverständlich von uns erwarten, wir hätte Arabisch zu lernen und nicht etwa die Gäste aus Arabien Deutsch, dann zeigt uns das eine hohen Grad von kalter Distanz zu unserem Land. Hier will jemand das Band zwischen den Bürgern des Landes zerschneiden: Ihre gemeinsame Sprache.

Dann ist da die Landschaft. Sie ist das, was heute nurmehr unter technischen Aspekten in einen globalisierten Begriff von Natur- und Umweltschutz eingeht. Norddeutschland ist aber nicht das gleiche wie die Südküste Japans. Es ist der Norden Deutschlands mit seinem besonderen Licht und als solcher eine sinnliche Freude. Er ist durch nichts zu ersetzen. Und seine Vernichtung durch tausende Windkraftwerke würde ich auch nicht dadurch weniger schmerzhaft empfinden, wenn der energiepolitische Zweck etwas höher anschlagen würde. Dass er das nicht tut macht die Sache dann wirklich schlimm. Die geliebte Landschaft ist fürs erste verloren. Und ich spüre: Von mir selber geht etwas verloren.

Aber ganz zuerst sind da natürlich jene, die sich in diesem Land als Deutsche verstehen und dazu stehen. Mit ihnen sind wir verbunden. Sie können und werden uns nicht gleichgültig sein. Vaterlandsliebe umgreift auch die Bürger an unserer Seite. - Und was ist mit den anderen Leuten? Es müssen ja nicht gleich jene sein, die dieses Land am liebsten abschaffen möchten. Doch viele interessieren sich nicht für dieses Land. Sie gehen mit ihm um, als sei es die größte Selbstverständlichkeit dieser Welt, dass es auch morgen noch so sein wird, wie es ist. Gilt ihnen unsere Vaterlandsliebe? - Das hängt davon ab. Es hängt davon ab, was man unter Vaterlandsliebe versteht.

Drei Grundformen der Liebe werden für gewöhnlich genannt. Eros, Philia und Agape. Eros - die durch ein starkes Begehren ausgezeichnete Liebe zu einem Objekt. Phila - die Freundesliebe, die im gegenseitigen Verstehen ihr höchstes Ziel sieht, im Verstehen als Symbol für seelische Einheit. Und Agape - die Bereitschaft den anderen ohne Frage nach eigenem Nutzen zu fördern, sich im schlimmsten Fall selbstlos zu opfern.

Die Vaterlandsliebe hat etwas von allen. Das geliebte Land ist Objekt des Begehrens, bringt Momente seelischer Einheit, ihm widmen wir uns mit ganzem Herzen und Hirn. Diese Liebe lässt sich scheinbar nur schwer in eine Schublade zwingen. Und so sind wir kaum schlauer als vorher. Doch eben sie, diese Vielschichtigkeit, hat sie, die Vaterlandsliebe, mit einer anderen Liebe gemeinsam: Der Liebe zu den eigenen Kindern.

Wie, die Kinder sollen eine Art Vaterland sein? - Aber natürlich. Und warum denn auch nicht?

Eltern wissen um die tiefe Verbindung zu ihren Kindern. Sie haben sie zur Sprache geführt, zum Singen, zum Lesen, schließlich zum Denken. Sie leben für länger gemeinsam mit ihnen zusammen; sie erscheinen als Teil des eigenen Selbst. Und Aufopfern - Aufopfern würden sich die meisten Eltern noch allemal für ihre Brut.

Sicher, Vaterlandsliebe und Liebe zu den eigenen Kindern sind nicht das Gleiche. Das Vaterland mit seiner Kultur und seinen Traditionen gibt uns einen Rahmen, während es bei den eigenen Kindern deutlich umgekehrt ist. Aber wie oft erkennen wir uns erst wieder in unseren Kindern? Sie bringen durch ihre Arten und Weisen eigene Züge zum Vorschein, die ich hinzunehmen bereit bin, eben weil ich es liebe, das Kind.

Ist es beim Vaterland nicht eigentlich ähnlich? - In seinen Wesenszügen, in dem was das Vaterland ausmacht, entdecken wir Eigenschaften von uns. Das kann, muss aber nicht zu Hause geschehen. Aber wenn einem das erste Mal im Ausland einer sagt, wie typisch deutsch man doch tatsächlich sei, dann kristallisieren sich Eigenschaften heraus, die man vorher nicht sah. Ob man sie mag, das steht auf einem anderem Blatt. Aber das Vaterland und seine Marotten werden so zum Spiegel des eigenen Selbst. Und wer sein Vaterland liebt ist, wie bei den eigenen Kindern, eher bereit, in deutscher Humorlosigkeit oder deutscher Pedanterie womöglich einen tieferen Sinn zu erkennen.

Vaterlandsliebe hat etwas von der Liebe zu den eigenen Kindern. Doch damit ist nicht die Liebe jener Eltern gemeint, die bei jedem neuen Wort ihres Sprösslings »Hurra« schreien möchten. Klar freut man sich über die Leistung der Kinder. Aber ständig und laut ausgesprochen klingt ein Jubellob blöd; übertroffen nur von dem eigens betonten »Ich liebe mein Kind« - als wäre das nicht das Selbstverständlichste von der Welt.

Besonnene Eltern zucken zusammen, wenn sie solches oder ähnliches hören; es ist ihnen peinlich. Aber sie wissen noch mehr. Sie wissen um eine Besonderheit der Liebe zum eigenen Kind, die dem Liebesbegriff, wie ich ihn oben beschrieben habe, konträr ist. Sie, diese Besonderheit, erscheint immer dann, wenn ein Kind nicht mehr tut, was wirklich oder vermeintlich gut für es ist. Dann wird es unter Umständen schwierig; schlimmstenfalls verrät es all das, was wir schätzen.

In diesem Fall hilft die anerkennende, begeisterte Liebe, die heute zum Kleingeld hurrapädagogischer Eltern verkommt, nicht weiter. Wir müssen es andersrum angehn. Ohne dass wir vergessen, dass es Fleisch von unserem Fleisch ist, greifen wir ein und bringen es auf die ein oder andere Art zurück in die Spur - zumindest versuchen wir es. Und selbst wenn das heute keiner mehr hören will: Auch das ist Liebe zu den eigenen Kindern. Sie ist nicht am Wohlgefühl des Augenblicks orientiert, sondern am Gesamtwohl des Kindes. Sie fühlt sich kühl an, ist sie im Ernstfall nicht selten aus der Verzweiflung über die Abwege jener gespeist, an denen wir hängen. Wir haben es mit einer schwierigen Liebe zu tun.




III

Die Liebe zu Deutschland ist auch so eine schwierige Liebe. Schon im Kaiserreich gab es den ein oder anderen Deutschen, der an den Deutschen irr werden konnte. Mit der Machtergreifung und den Untaten des Großdeutschen Reichs begann für sehr viele eine düstere Zeit, eben weil sie ihr Deutschland eigentlich liebten. Sie haben es nicht wiedererkannt und sie haben gelitten.

Heute befinden wir uns in einer ähnlichen Lage. Denn neuerlich kehrt dieses Land hervor, was es an Ungutem birgt; ganz zuerst seine Selbstüberschätzung. Zwei Weltkriege lang glaubte es gegen den Rest der Welt an seinen Sieg. Welch ein Irrsinn. Und heute glaubt es wieder, Probleme lösen zu können, die seine Resourcen auf ähnliche Weise weit überschreiten. »Wir schaffen das«, heißt es lapidar, wenn man die politischen Führer zur Rede stellt. Es klingt fast wie vor Verdun. Und noch zwei Jahre später, nachdem auch dem letzten Mitläufer dämmert, dass damals sehr falsch gemacht worden ist, entschließt man sich, über den Familiennachzug weitere zwei Millionen sogenannte Flüchtlinge ins Land zu holen. »Auch das schaffen wir«, meint die Kanzlerin wohl, ohne es laut auszusprechen.

Ein Patriot sieht, wenn er ehrlich ist gegen sich selber: Er hat es mit Deutschland wirklich nicht leicht. Denn die aktuelle Politik kann nur so handeln, weil sie die Unterstützung der Mehrheit genießt. Vergessen wir nicht: Die Mehrheit der Deutschen unterstützt diese sogenannte Willkommenskultur. Wir stehen, wie ehedem, als die Minderheit da. Die Mehrheit hat sich wieder einmal die schlechten Seiten Deutschlands zu Herzen genommen: Hybris, die Selbstüberschätzung. In dieser politischen Form ist sie typisch deutsch. Es ist zum Verzweifeln.

Muss man ein solches Land nicht am Ende verlassen? Wie geht man um mit seiner Liebe zu diesem Land, wenn dieses Land diese Liebe nicht einmal mehr annehmen will? Wenn es vergessen hat, was es ist? Wenn es wieder einmal auf Abwegen ist und sich in einem letzten Anfall teutonischen Wahnsinns selber erlegt?

Noch einmal: Liebe zum Vaterland hat viel von der Liebe zum eigenen Kind. Wer es liebt, hält seinen dunklen Seiten Stand, ohne sie akzeptieren zu müssen. Er weiß um den Zweiten Weltkrieg und seine Verbrechen; er weiß um den Holocaust; er weiß auch um den Herbst Zwanzigfünfzehn, als dieses Land in einem Rausch egomanischen Mitleids Millionen Araber und Afrikaner ins Land kommen lässt, obwohl jeder auch nur halbwegs wache Bürger weiß, welcher Akt der Selbstzerstörung damit initiiert werden wird - in Deutschland, aber auch in Europa. Aber er weiß eben auch, dass sie, die unglückseligen Deutschen, Teil seiner selbst sind, Teil des Landes in dem er lebt, Teil einer Kultur, die auch für diese Art politischem Hasardspiel immer wieder einen Faible entwickelt.

Und mit dieser Sicht auf die Dinge versucht er, Einfluss zu nehmen. Nicht irgendwie. Und auf keinen Fall mit zu offensichtlichem Druck, der nur Starrsinn provozierte. Gelassenheit ist gefragt. Und vor allem das Wissen und das Bewusstsein, dass die meisten, die diese grundfalsche Politik unterstützen, eher Mitläufer sind. Ganz zuerst sind sie Kinder dieses Landes und dieser Kultur.

Sicher nicht alle. Einige sind nicht zu retten. Sie lieben dieses einfach Land nicht mehr. Manche hassen es insgeheim, manche ganz offen. Wieder andere haben von der Kultur gerade mal die Sprache erfahren. Seine große Musik ist ihnen fremd. Und sein Denken erfassen sie trotz aller Sprachkenntnisse bestenfalls rudimentär. Wen wunderts, dass sie eben diese Sprache für das einzige halten, was typisch deutsch sei. Etwas anderes haben sie niemals erfahren.

Aber die Mehrheit - sie gilt es mit bestimmender Umsicht gleichsam zurück in den Schoß der Familie zu führen. Was sage ich gleichsam. Das Vaterland hat etwas von einer Familie. »Right or wrong, my country«, sagen die Briten. Das gilt auch für uns. Kritik am politischen Gegner bleibt mit diesem Bewusstsein als Kritik zumindest von uns aus mit einem verbindlichen Verständnis für die andere Seite behaftet. Wir wissen: Es handelt sich bei den Wählern von Merkel um fehlgeleitete Kinder - aber um die Kinder unseres Landes.

Die Idee, den politischen Gegner als Landsmann insgeheim in die Arme zu schließen, mag irritieren, noch dazu wenn man diesen Schulterschluss als Vaterlandsliebe bezeichnet. Aber gerade diese Liebe ist eine wirkliche Liebe des Landes. Sie umhegt ihr Objekt; sie fällt nicht auf die Knie. Sie bewundert; aber sie bleibt auch auf Distanz zu dem, was nicht geht. Man muss nicht alles gutheißen, was in Deutschland und durch Deutsche geschah. Und trotzdem kann man dieses Land aus tiefstem Herzen verehren.

Wahrer Patriotismus beginnt, wenn man sich für das geliebte Objekt verantwortlich fühlt. Wenn man umhegt. Wenn man pflegt. Wenn man die dunklen Seiten erkennt und in wachsamer Treue das Geliebte begleitet.

Das alles ist mit Arbeit, mit sehr viel Arbeit verbunden. Aber erinnern wir uns: Dieses Land ist nicht nur durch Melodien und leidenschaftliches Denken zur Größe gelangt; es gibt auch noch Zähigkeit, Fleiß und Messerschärfe im Denken - Eigenschaften, die man gleichfalls typisch deutsch nennen kann. Geschick ist gefragt. Doch gerade im rationalen Denken hat Deutschland es immer wieder zu Großem gebracht. Heute brauchen wir es, um uns selber zu retten. Das aber ist kein Hurrapatriotismus. Es hat viel mit sorgsamer Pflege, energischem Kümmern und schlussendlicher Rettung zu tun. Pflegen wir unsere Sprache, Kümmern wir uns um das Wiedererstarken von Traditionen, Retten wir Landschaft und Land. Holen wir uns unser Land zurück. Weil wir es lieben. Weil wir wissen, was richtig ist, für dieses aus den Fugen geratene Land.

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Samstag, 19. August 2017
Entstellte Kunst

Obelisken gibt es in Deutschland an einigen Orten. Sie erinnern an die deutschen Opfer von 70/71 und 14/18; später kommen noch sowjetischen Toten des Zweiten Weltkriegs hinzu; von einem Obelisken für die gefallenen deutschen Soldaten ist mir nichts bekannt. Diese Ehre widerfuhr nur den sowjetischen Toten.

Seit kurzem gibt es in Deutschland einen weiteren Obelisk. Er steht auf dem Königsplatz in Kassel und wurde von der documenta bestellt. Gestaltet hat ihn ein in Schwarzafrika geborener US-Amerikaner. Aufgestellt wurde er auf einem zentral gelegenen Platz. Dieser Obelisk erinnert nicht an die Gefallenen eines Krieges - er soll durch ein Zitat aus der Bibel an Flüchtlingsschicksale erinnern. In vier Sprachen heißt es auf den vier Seiten des Obelisk: »Ich war ein Fremdling und ihr habt mich beherbergt«.

Das ist für eine documenta, diese Weihfestspiele staatlicher Subventionskunst, eine ungewöhnlich verständliche Sprache. Üblicherweise braucht es ein Kunststudium deutlich jenseits der Regelstudienzeit um zu verstehen, was ein Künstler dem Betrachter mitteilen will - falls er denn überhaupt etwas mitteilen will. Im Fall des Obelisken ist dagegen klar: Der Bibelspruch soll Mitleid mit dem Flüchtling erregen; dieses Lieblingsgefühl vieler Deutscher.

So weit, so gut. Doch nun hat ein AfD-Stadtverordneter im Kulturausschuss Kassels den Obelisken als »ideologisch polarisierende, entstellte Kunst« kritisiert und damit einen Sturm der Entrüstung bewirkt. Nicht weil er den Obelisk »ideologisch polarisierend« bezeichnet; das ist er auch in den Augen des Künstlers, das soll er sein. Sondern weil der Vertreter der AfD es wagt, die Worte »entstellte Kunst« auszusprechen. Denn »entstellt« erinnert einige wohl an »entartet« und damit wären wir bei der Rede von »entarteter Kunst«, mit der die Nationalsozialisten unliebsame Werke titulierten.

Schon richtig - der Klang der beiden Worte ist ähnlich. Doch »entstellen« steht nach Wiki für »verunstalten, verunzieren, verhunzen, verschandeln, verfälschen, verkehren«; es lässt sich ersetzen durch »deformieren, verstümmeln, verbiegen, verdrehen, verstümmeln«. Eine breite Palette von Worten also - nur haben sie herzlich wenig mit »entarten« zu tun. Zu diesem indizierten Wort heißt es bei Wiki, es stehe für »in negativer Weise von bestimmten Gesetznormen abweichen, sich ausarten, verkehren in etwas Negatives«. Man kann es durch »ausarten, ausufern, degenerieren, verderben« ersetzen; »entstellen« steht nicht in der Liste. Die unterstellte Verbindung besteht also vor allem in den Ohren und Köpfen jener, die sich über den Stadtverordneten echauffieren. Sie sorgen dafür, dass die Sprache der Nazis präsent bleibt.

Aber ist der Obelisk »ideologisch polarisierende, entstellte Kunst«? Verunstaltet, verunziert oder verschandelt er den Königsplatz Kassels? - Schwer zu sagen, denn über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten. Aber zumindest für viele Bürger passt der phallische Pfeiler ins Zentrum des Runds; eine Eigenschaft, die für fast alle Produkte, die unter dem Titel documenta ausgestellt wurden und werden, notorisch nicht gilt. Kein Wunder, dass die lokale Presse die Höhe des Obelisken herausstellt und ein örtlicher Backwarenhändler ins Schwärmen gerät: »Der zieht aber die Kunden an. Das ist gut.«

Bliebe die Frage, ob der Obelisk verfälscht, verkehrt, verstümmelt, verbiegt, verdreht, oder verstümmelt? Und diese Frage kennt nur eine einzige Antwort: Ja, das macht der Obelisk. Denn es ist ja nicht wirklich die Säule, um die es geht. Es geht um die Message. Es geht um den Spruch aus der Bibel: »Ich war ein Fremdling und ihr habt mich beherbergt«, Matthäus, 25.35.

Schon der scheinbare Internationalismus ist eine Verfälschung. In vier Sprachen wurde der Spruch auf die Seiten gedruckt: Auf Deutsch für die Anwohner Kassels, auf Englisch für die Touristen und dann noch auf Arabisch und Türkisch. Das mag vom US-Amerikaner mit schwarzafrikanischen Wurzeln zukunftsweisend gemeint sein. Allerdings scheint er die Regeln in der Türkei und in arabischen Ländern nicht wirklich zu kennen. In Saudi Arabien ist die Bibel im öffentlichen Raum schlichtweg verboten. Ein Spruch aus der Bibel auf einem Obelisken hätte drastische Folgen. Für die Türkei gilt das gleiche, nur sind die Strafen nicht ganz so dramatisch. Der Spruch verfälscht also ganz sicher die Sicht auf die islamischen Länder. Aber das ist ja nun wahrlich nichts neues.

In der Bibel ist an besagter Stelle von einem Fremden die Rede, von einem Gast. Von einem Flüchtling steht dort kein Wort. Denn Gäste gehen bekanntlich am Ende des Gastmahls; die heutigen Flüchtlinge wollen aber nicht gehen. Sie benehmen sich in den meisten Fällen auch nicht wie Gäste. Das Zitat verdreht daher das Bibel-Zitat. Und wenn man den Kontext in der Bibel hinzunimmt, dass zeigt sich, dass der Sinn der Passage ins Gegenteil seiner Bedeutung verkehrt wird.

Matthäus 25 besteht nicht nur aus dem Zitat. Dort ist auch von klugen und von törichten Jungfrauen die Rede. Und töricht sind die, die sich auf die Voraussicht der klugen Jungfraun verlassen. Sie sind träge und werden zu recht für ihre Trägheit bestraft. Zur Rechtfertigung einer Flucht in reichere Länder der Erde taugt dieses Kapitel aus dem Neuen Testament damit wohl kaum. Sorgt für euch selber, will es sagen. Und die es nicht tun, über die heißt es in der Bibel: »Wahrlich ich sage euch: Ich kenne euch nicht.«

Wer diese für heutige im Sozialstaat versorgten Ohren schwer verständliche Aufforderung nicht glauben will, dem sei auch gleich den darauf folgende Abschnitt empfohlen. Sein Credo steht in Sätzen: »Denn wer da hat, dem wird gegeben werden, und er wird die Fülle haben; wer aber nicht hat, dem wird auch, was er hat, genommen werden. Und den unnützen Knecht werft hinaus in die Finsternis; da wird sein Heulen und Zähneklappern.« (Matthäus, 25.29f) Mit diesen Worten wäre der Obelisk wahrlich ein sinnvolles Mahnmal. Er liest sich als Aufruf fleißig zu sein und nicht von anderer Leute Arbeit zu leben. Hehre Werte aus einer längst vergessenen Zeit.

Aber der Obelisk steht auf der documenta - diesem Sinnbild dafür, wie man von anderer Leute Arbeit sich einen schönen Tag machen kann. Er verfälscht, verdreht und verbiegt. Und er verstümmelt. Der scheinbar so fremdenfreundliche Text droht am Ende jenen, die den Fremden nicht aufnehmen wollen, mit drakonischen Strafen: »Gehet hin von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das bereitet ist dem Teufel und seinen Engel!« Wo der Obelisk scheinbar bedenklich daherkommt, verweist er tatsächlich auf eine Drohung.

Völlig zu recht wird der Obelisk daher als Propaganda bezeichnet. Er steht also durchaus zu recht in der Mitte des Platzes. Wie in vergangenen Zeiten setzt dieser Staat sich hier eine steinerne Marke. Dem Bürger wird die Wahrheit auf einem Obelisken verkündet wie zu Zeiten des Kaisers. Und sie wird genauso entstellt. Ein Obelisk mit einem Mindestmaß an moralischem Anspruch hätte das Bibelzitat auf der einen Seite gezeigt und auf den anderen drei die Namen der Opfer islamischer Mörder, die als Flüchtlinge eingereist sind. Für die anderen reichte der Platz nicht.

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Freitag, 18. August 2017
Die mörderische Sachlichkeit der Medien

Ein altes Mittel von Ideologen ist es, das Offenbare als noch nicht ganz offenbar zu bezeichnen. Insbesondere bei angeblich der Aufklärung verpflichteten, linken Ideologen ist diese Masche beliebt, denn sie lässt sich leicht als Sachlichkeit tarnen; der sachliche Berichterstatter erscheint plötzlich als der mit einem wissenschaftlichen Anspruch. In immer neuen Facetten wurde sie, die Masche, durchexerziert: Holodomor, China, Kambodscha - die Liste ist abgrundtief lang. Immer hieß es gegenüber jenen, die Rechenschaft von linken Ideologen verlangten: Es ist noch nicht alles bekannt. Und je mehr die Ereignisse Vergangenheit wurden, umso weniger konnte man wissen. Bis am Ende alles im Trüben verschwand und keiner mehr etwas weiß. Dann sind die linken Verbrechen vergessen.

Mit dieser Masche versuchen es auch die Medien Gutdeutschlands. Ausnahmslos jeder Anschlag von Moslems wird zunächst als vermutlicher Anschlag gehandelt. Man weiß ja noch nichts. Also ist man im Grunde zum Schweigen über die Hintergründe verpflichtet, suggeriert die Presse und verkauft dieses Schweigen auch noch als Ausdruck von Qualitätsjournalismus. In keinem Fall darf man vermuten, was sich in praktisch allen solchen Fällen als Wahrheit erweist: Dass es Moslems waren, die wieder einmal ihre Moscheen verließen, um für ihren Propheten zu morden. So auch gestern in Spanien.

13 Passanten werden bei einem der nun schon zur Regel gewordenen Fahrzeuganschläge in Barcelona ermordet. Und alles, aber auch wirklich alles, spricht für eine Mordorgie gläubiger Moslems. Aber die Medien schweigen über die ideologischen Hintergründe der Täter, weil man bislang noch nichts wüsste. Vielleicht ist der Wagen ja außer Kontrolle geraten; man kann es nicht wissen. So etwas passiert immer mal wieder auf Straßen. Irgendwas wird sich schon finden, was man mit sachlichem Augenaufschlag vorschieben kann. Nur dass die Sachlichkeit hier allein im Dienste der Ideologie eingesetzt wird. Sie dient dazu, über das Höchstwahrscheinliche so lange wie möglich zu schweigen. Später wird man natürlich davon berichten. Sehr viel später. Wenn die Aufregung weg ist und die Bürger vergessen haben, was massenmörderisches geschah. Dann kann man in einer Unterzeile von den moslemischen Mördern berichten. Aber ebenso gut kann man es lassen.

Diese Art des Verschweigens der Realitäten lässt sich schwerlich als Lüge bezeichnen. Es ist ja nur die wahrscheinliche Wahrheit, von der der die Journaille nicht reden will. Mit dem Hinweis auf das absolut Sichere unterschlägt sie die höchstwahrscheinlichen Täter. Mit dieser Tour könnte man auch den Holocaust leugnen; denn bekanntlich lässt sich Historisches niemals beweisen - also wurde im Fall des Holocaust Sachlichkeit wohlweislich unter Strafe gestellt. Was Wahrheit ist und was nicht, das dekretiert mehr und mehr dieser Staat.

Das Verlangen nach Sachlichkeit - eigentlich ein zentrales Moment wissenschaftlichen Denkens - ist heute zur Masche von Ideologen verkommen. Denn sie hat einen harten ideologischen Kern. Und der wird offensichtlich bei den deutlich weniger wahrscheinlichen Fakten, über die die Medien lauthals berichtet; etwa der Bundeswehrsoldat, der angeblich rechts ist, und eine wochenlange Welle der Pseudoempörung ausgelöst hat. Dabei war hier zunächst überhaupt nichts sicher und passiert war ebenfalls nichts. Kein Anschlag, kein wirklicher Plan für einen Anschlag - einfach gar nichts. Nur die heiße Luft einer phrasendreschenden Medienkamarilla, die aber eben doch weiß, was sie will.

Sie will die Ideologie der Mörder beschützen. In einer moralischen Welt würde die Religion der Mörder bekämpft. So war es in den 1970er Jahren, als rote Mörderbanden Stadt und Land mit Terror bedrohten und überzogen. Die Medien wussten genau, wessen Geist die Mörder tatsächlich waren und benannten ihn auch: Die extreme politische Linke. Natürlich war auch damals nicht alles gleich sicher. Aber die Erfahrung der vorherigen Monate ließen keine anderen Mörder vermuten. Also wurde die extremistische, terroristische Linke bekämpft.

Ja, es ist richtig; auch damals wurden bereits Ideologie und Mörder getrennt. Journalisten versuchten den Kommunismus zu retten oder die Anarchie. Aber Illusionen über die Täter machte sich keiner. Sie gehörten zur Linken. Nur hatten sie angeblich die hehren Ziele der Linken verraten. Und hier genau schließt sich ein ideologischer Kreis - aber das ist ein anderes Thema.

Die Sachlichkeit heute führt zu einer ganz anderen Nähe. Durch sie decken bestimmte Medien tatsächlich die Mörder, indem sie ihre ideologische Täterschaft so lange wie möglich verschweigen. So kann ein möglicher Täter verschwinden, weil nicht auf sein arabisches Aussehen gezeigt werden darf; der Islam wird systematisch verschwiegen, also geraten die Moscheen nicht als Versteck in Verdacht, auch wenn sie es sind. Und das alles, weil wir ja nichts exakt wissen. Dass dieses Verleugnungsgeflecht am Ende ins Gegenteil umschlagen wird, sobald die Bevölkerung erst einmal die Nase voll hat von der Untätigkeit der Behörden, der Politik und Medien, das sei nur am Rande erwähnt.

Wer genauer hinschaut, erkennt in dem Verlangen nach Sachlichkeit ein aus der Geschichte bekanntes, historisches Muster. Denn exakt so haben auch jene gesprochen, die sich aus ihrer Mitwisserschaft herausreden wollten - sei es nun im rechten oder im linken Faschismus. Die Kritiker mögen doch bitte sachlich betrachten; nicht dabei gewesen wären sie damals, kannten also auch nicht alle Fakten. Bevor wir die nicht alle kennen… Und los geht die Litanei.

Und auch sie, die Mitläufer, haben nicht alle Fakten gekannt. Wie aber sollte man handeln, wenn man die Details nicht alle kennt? Andernfalls läuft man Gefahr, sich zu irren. - Diese Ausredenkette kennt wirklich kein Ende. Mit ihr lässt sich jedes Schweigen und jedes Zuschaun begründen. Und so wird deutlich, dass sich Gutdeutschland auch in diesem Punkt im Fahrwasser seiner ideologischen Verwandten bewegt. Es bleibt eben dabei: Alle totalitären Staaten haben einen gemeinsamen Kern und dieser wird in diesen Tagen nach und nach auch in Gutdeutschland deutlich.

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Montag, 24. Juli 2017
Lebensraum im Osten - für Syrer

Berlin möchte die nächste Flüchtlingsflut auf die Länder der Europäischen Gemeinschaft verteilen und hat dabei die osteuropäischen Staaten im Blick. Die aber verweigern sich ganz offiziell. Daher will die EU, lautstark vertreten durch Martin Schulz und etwas leiser durch einige Christdemokraten, osteuropäische Länder, die keine Flüchtlinge aufnehmen wollen, bestrafen; eine Politikerin der Grünen fordert sogar die Ansiedlung von Syrern in den Baltischen Staaten.

Weil Europa und vor allem Deutschland die Gäste, die man mit hochmoralischer Pose einreisen ließ und weiterhin lässt, nicht mehr aufnehmen kann, wird den östlichen Nachbarn Deutschlands gedroht. Man beruft sich bei diesen Forderungen nach einer Verteilung des Schadens, den Deutschland seiner eigenen Politik der offenen Grenzen verdankt, aufs EU-Recht und natürlich auf die eigene Mitmenschlichkeit. Aber tatsächlich sollte man sich auf ein Recht berufen, mit dessen Moral es nicht allzu weit her ist.

Denn diese Politik bewegt sich auf einer Bahn, deren Ausgangspunkte weit in die Deutsche Geschichte und das Verhältnis von Deutschland zu seinen östlichen Nachbarn zurückverfolgt werden können. Und gerade die letzten Stationen gehören in eine Zeit, an die EU, SPD, Grüne und nicht zuletzt Linke üblicherweise zwar genüsslich erinnern - mit der sie aber politisch, wenigstens nach eignem Bekunden, wenig verbindet. Es sind die Zeiten, als Deutschland Lebensraum im Osten verlangte und dafür zunächst - im Jahre 1939 - an den Bug und später - im Jahre 1942 - bis an die Wolga marschierte.

Heute macht Berlin es etwas geschickter. Man verlangt nicht mehr Raum unmittelbar für sich selber; das würde einen Aufschrei bewirken. Man verlangt Lebensraum für die Flüchtlinge, die man nicht mehr gebraucht. Osteuropa soll für die Fehler deutscher politischer Entscheidungen die Zeche bezahlen. Unter dem Hinweis, bereits Hunderttausende aufgenommen zu haben, plädiert man für Zwang. Entweder überweisen vornehmlich Warschau und Budapest das Geld an die Flüchtlinge, die in ihre Länder einreisen würden; oder es zahlt deftige Strafen an Brüssel.

Offenbar haben diese Herrschaften noch nie etwas vom Recht der Völker auf Selbstbestimmung gehört. Aber warum auch, wenn ein moralischer Anspruch die Fordernden treibt. Sie helfen der Welt; wehe denen, die nicht mithelfen wollen. Die Recht der Osteuropäer auf ein Land ohne Moslems - denn um diese geht es vor allem, wenn man sich in Warschau und Budapest der Flüchtlingspolitik Brüssels verweigert - wird nicht mal erwähnt. Dabei hat jeder Bürger das Recht, nicht mit Fremden zusammenleben zu wollen; insbesondere nicht mit Mohammedanern. In keinem Fall ist, wer auf die Rechtmäßigkeit dieser Haltung verweist, rassistisch. Oder besser: Er ist so rassistisch wie ein Italiener, der in seinen Städten auch mal ohne deutsche Touristen ausgehen will oder ein Senegalese, der froh ist, dass die Kolonialisten sein Land vor einigen Jahrzehnten verließen. »Afrika den Afrikanern« - ein solches Spruchband ließe sich sicher bei Gegnern weißer Kolonialregime entdecken. Und dass den Arabern der Westbank dieselbe gehört, Juden dort also kein Recht auf Ansiedlung haben, steht für eben jene Freunde speziell des arabischen Flüchtlings, die jeden flüchtigen Araber in Annaberg ansiedeln wollen, ohnehin fest.

Indes, auch die Osteuropäer haben ein Recht auf ihre Kultur. Polen, Lettland oder Ungarn sind nun einmal nicht im Ansatz islamisch und wollen es auf keinen Fall werden. Auch russisch wollten sie vorher nicht werden und deutsch, wenn überhaupt, nur in Teilen. Islamisch aber geht gar nicht. Lieber erinnert man sich des entscheidenden Angriffs, den polnische Truppen unter König Sobieski 1683 vor Wien gegen die Türken durchführten. Dagegen verweisen die EU und ihre Vertreter lieber mit empört moralischem Augenaufschlag auf Kreuzzüge vermeintlich böser christlicher Truppen.

Die Rechtsbrecher sitzen somit in den verantwortlichen Stellen in Berlin und in Brüssel. Sie wollen den Osteuropäern oktroyieren, wogegen sie seit Jahrhunderten mit wechselndem Erfolg opponierten und kämpften: Eine Besetzung durch fremde Bevölkerungsgruppen. Und dass der Islam Terrain, das einmal unter seine Herrschaft geraten ist, für ewig als islamisch erachtet, wäre hier so oder so ein Konflikt angesagt, wie man ihn seit 70 Jahren um Israel kennt. Auch dort pochen Moslems auf Gebieten, die sie für ihre eigenen halten, obwohl sie sie ursprünglich nicht besaßen. Die Ansiedlung moslemischer Flüchtlinge läuft auf eine Vertreibung von Osteuropäern hinaus, so wie man das aus deutschen Städten mit Deutschen schon kennt.

Mit der Politik der schleichenden Verdrängung von Polen, Balten, Tschechen und Ungarn bewegen sich ihre Unterstützer im Fahrwasser der einstigen deutschen Eroberer und schließlich eines Hans Frank - Hitlers 1946 in Nürnberg hingerichteter Stadthalter im sogenannten Generalgouvernment Polen. Eine Politik, die unter dem Titel »Lebensraum im Osten« traurige Berühmtheit erlangte: Polen und Ukrainer wurden im Interesse des eigenen Volkes vertrieben. Allerdings will man die osteuropäischen Völker nun im Interesse einer guten Sache vertreiben: Der Rettung von Flüchtlingen und solchen, die vorgeben, geflüchtet zu sein.

Doch nicht mal dieses Argumentieren mit einem höheren moralischen Anspruch entspricht wirklich der Realität. So wenig wie Politiker helfen, sondern fast ausnahmslos Steuergelder zahlender Bürger zum eigenen Nutzen verbraten, sowenig dient diese Politik den Migranten. 32.000 € gab Deutschland 2016 pro Flüchtling aus und das wenigste kam in den Taschen dieser auch an. Am meisten verdienen die professionellen Helfer, die Übersetzer, die Quereinsteiger, denen man unter normalen Umständen nie eine Klasse anvertraut haben würde, die niederen Pädagogen, die ihren Rassismus als freundliche Nachhilfelehrer mit gutem Gewissen ausleben dürfen. Kaum einer dieser Flüchtlingshelfer wäre in seinem Berufsleben je in den Genuss eines einträglichen Entgelts gekommen. Der Flüchtlingsstrom ist Wasser auf ihre Mühlen.

Nun wird für die eigene Klientel ein weiterer Markt im Osten erschlossen. Man hat ja selber reichlich Erfahrung gesammelt mit den Nafris und ihren Sitten und Bräuchen und könnte Polen und Ungarn beraten - auch wenn ich sicher bin, dass Polen, Ungarn und Balten ihre Frauen nicht auf einer Kölner Platte servieren. Sie werden sich handgreiflich wehren. Mal schauen, wie die Öffentlichkeit in Gutdeutschland dann reagiert und wie sie den Osteuropäern ihre Willkommenskultur aufzwingen wird.

Schulz und die Grünen wissen jedenfalls schon, dass es dann der Zwang richten muss; sie, die sonst immer nur Gesprächsbereitschaft bekunden, werden mit finanziellem Druck Lebensraum für Syrer beschaffen. Und da man die Flüchtlinge bei diesen Parteien ohnehin gleichsam als Deutsche betrachtet, wird Lebensraum im Osten auch für Deutsche erobert - von Christdemokraten, Sozialdemokraten, Linken und Grünen. Was verläuft die Geschichte mitunter nur herrlich an der Grenze zum blanken Sarkasmus.

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Freitag, 7. Juli 2017
Warum es keinen liberalen Islam geben kann

Vor einigen Jahren erklärte mir ein Bekannter, wie das nationalsozialistische Deutschland den Zweiten Weltkrieg hätte gewinnen können. Man hätte die Russen gut behandeln und für sich gewinnen sollen. Die hätten Stalin ohnehin satt gehabt und hätten ihr Russland liebend gern von den kommunistischen Schergen befreit. Die Wehrmacht hätte bis Wladiwostok durchmarschieren können und die Russen hätten gefeiert. »Ja«, meinte ich, »im Prinzip ist das alles richtig. Nur wären die Nazis dann eben keine Nazis gewesen.«

Die Nazis haben die Russen behandelt, wie sie sie behandelt haben, weil es ihrer ideologischen Grundhaltung entsprach: Als Untermenschen. Ein anderer Umgang passte nicht in ihr Weltbild und deshalb gab es diesen anderen Umgang auch nicht. Und jene, die davon abwichen - und die gab es -, gehörten eben nicht mehr zu den Nazis. Sprich: Es gibt Eigenschaften, die kann man als Wesenszüge einer ideologischen Schule betrachten. Und soviel scheint richtig zu sein: Nationalsozialisten sind nicht liberal. Kommunisten sind nicht liberal. Liberalismus ist keine Eigenschaft von nationalem und internationalem Sozialismus. Und Moslems? Sind sie liberal? Kann Liberalismus eine Eigenschaft des mohammedanischen Glaubens sein oder werden?

Liberal sein heißt, den anderen als Andersdenkenden wahr und ernst nehmen zu können. Es heißt auch, im Grunde anzunehmen, der andere könne mit seinen Ideen eben doch richtig liegen. Es heißt vor allem, bescheiden zu sein und das eigene Urteil als möglicherweise fehlerhaft zu bewerten. Nichts davon kann ein Gläubiger von sich behaupten. Der Glaube lebt von der Unfehlbarkeit des eigenen Standpunkts. Auch der politische Glaube. Oder besser: Wer, wie Nationalsozialisten und Kommunisten, seine eigene Unfehlbarkeit annimmt, bewegt sich nicht mehr in Sphäre politischen Denkens, sondern eben des Glaubens. Argumente zählen nicht mehr; Diskussionen werden nur noch dem Schein nach geführt. Man weiß ja um die absolute Korrektheit der eigenen Meinung.

Und doch gibt es jene, die sich selbst als Kommunisten bezeichnen und trotzdem den politischen Gegner im Falle der eigenen Machtergreifung nicht umgehend in ein kommunistisches Vernichtungslager einsperren würden. Es gab Nationalsozialisten, die hatten nichts mit den Massenmorden der Nazis zu tun und lehnten sie ab, sofern sie davon erfuhren. Und ja, es gibt Moslems, die verabscheuen den Terror, mit dem ihre Glaubensbrüder die Welt seit den ersten Tagen dieses Glaubens überziehen. Sie verabscheuen das Händeabhacken und Hinrichten von Ehebrecherinnen und Schwulen. Ungläubige sind für sie Menschen wie sie selber und keine Untermenschen, die man bei Gelegenheit umbringen darf.

Nur: Handelt es sich bei diesen selbsterklärt liberalen Gläubigen wirklich noch immer um Kommunisten, um Nationalsozialisten, um Anhänger Mohammeds? Kann es sich um solche handeln? - Wohl kaum. Oder besser: In Abstufungen. Je weltlicher eine Theorie ist, umso eher wird sie liberal. Ein Kommunist, der seine Theorie zuerst als ökonomisch versteht, kann also durchaus eine liberale Haltung bewahren. Nur entsagt er dann dem hohen moralischen Anspruch, der mit den meisten linken Theorien einhergeht. Kommunist im emphatischen Sinne ist er ganz sicher nicht mehr. Wahrscheinlich stünde er auf der Abschussliste, wenn die Partei sich das nächste Mal säubert.

Mit dem Nationalsozialismus ist das schon schwerer, sofern er auf der Idee einer überlegenen Rasse basiert. Wie der emphatische Kommunismus hat er eine metaphysische Basis: Die Rasse. Und ohne diesen Rassebegriff bleibt nicht mehr viel übrig. Das ist es, was viele als intellektuelle Leere nationalsozialistischer Theorien empfinden. Ohne den Glauben an Volk und Führer bleibt eben nichts, wird der ganze Kult um den Führer zur unverständlichen Lachnummer aus den Zeiten von Schwarz-Weiß-Film und Luftschiff.

Und der moslemische Glaube? - Bevor hier eine Antwort möglich wird, sollte man den christlichen oder jüdischen Glauben betrachten. Denn scheinbar kann man Christ sein, ohne gleich vor dem Papst auf die Knie zu gehen oder eine der vielen Monstranzen vergöttern zu müssen. Aber ist man dann wirklich noch christlich? Hat man sich nicht viel eher ein privates Christentum aus Versatzstücken zusammengebastelt? Eine Art Modellbau mit Teilen aus Neuem und Altem Testament. - Aber natürlich. Man darf vermuten, dass die Mehrzahl jener, die zum letzten Kirchentag reisten, nicht mehr im eigentlichen Sinne Christen genannt werden können. Sie würden erschrecken, würde man ihnen das Leben nach den Regeln der Bibel empfehlen; und das gilt nicht nur für die Besucher. Sie sind keine Christen; sie sind nur mit einigen ihnen passenden Ideen aus der Bibel beschäftigt.

Ein Glaube wird niemals liberal werden können. Er lebt von seiner Setzung ins Absolute. Jene, die sich als liberale Kommunisten, Nationalsozialisten oder Christen verstehen, sind im Grunde nur noch liberal und hängen dem alten Glauben nur wie einer Erinnerung an. Er wurde zur Tradition.

Und doch bleibt auf diesem Weg einiges vom Inhalt des alten Glaubens bewahrt. Das können Plattheiten sein; nicht selten sind es Traditionen; aber meistens sind es gerade die anspruchsvollen Aspekte, die einem Glauben das Weiterleben erlauben. Hier die ökonomische Theorie von Karl Marx, dort die philosophischen Passagen der Bibel. Sie sind es, die einen Ismus vor dem Sterben bewahren. Die einstmals geistige Tiefe wurde durch die intellektuelle Tiefe ersetzt. »Am Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott.« Ein solcher Satz lässt sich auch heute noch denken. Warum? - Weil der Gedanke denkwürdig ist.

Was also bleibt von jenen Glaubens- und Gedankengebäuden, wenn sie liberal sind? - Eine gewisse Tiefe im Denken. Und genau damit haben Kommunismus, Nationalsozialismus und Islam ein ernstes Problem. Sie fehlt ihnen nämlich in Abstufungen bis hinunter zur Gänze. Und somit liegt der zentrale Unterschied zwischen Christentum und Islam offen zutage. Der Islam ist in seinem Kern - und das heißt mit seinem Koran - intellektuell gesehen ein Sammelsurium von äußerst dürftigen Zeilen. Bis heute wurde mir nicht eine Sure gezeigt, die es mit dem zitierten Satz an Tiefe aufnehmen kann. Und so nimmt es nicht Wunder, dass es eine wirkliche originär islamische philosophische Schule nicht gibt. Moslems haben überlieferte Texte bewahrt - falls sie sie nicht vorher verbrannten. Aber es gibt kein philosophisches Werk von Rang, dass islamisch genannt werden könnte, vergleichbar den »Bekenntnissen« von Augustinus, der »Summa Theologica« Thomas von Aquins oder dem »Der Begriff Angst« eines Kierkegaard. Man kann getrost sagen: Der Islam ist eine Religion ohne intellektuellen Anspruch: Keine bedeutende Literatur, keine bedeutende Musik, und die Moscheen sind mit ihren Mosaiken und Kronleuchtern lächerlich kitschig.

Die islamischen Länder bestätigen das. So gut wie keine Nobelpreise, praktisch keine Wissenschaft und nur wenige Bücher. Ja, es gibt nur ein einziges Buch. Und dieses Buch prahlt mit Belanglosigkeiten. Von hier aus gedacht, wundert die Bildungsferne vieler Muselmanen keine Sekunde. Der Islam ist eine Ideologie für im Denken Verarmte. Und das gelegentlich als Kopfwindel bezeichnete Kopftuch steht dafür in vielfacher Hinsicht Symbol.

Nein, es gibt keinen liberalen Islam. Denn der Islam hat nichts zum Denken zu bieten. Man kann sich mit seiner Geschichte befassen; man kann über die Wortbedeutung koranischer Zeilen lang diskutieren. Aber Nachdenken über tatsächliche oder auch nur angenommen sinnvolle Thesen macht keinen Sinn. Und sie findet daher auch nicht statt. Es gibt sie einfach nicht. Mich haben beim Lesen der Suren daher nicht die Gewaltphantasien empört - die findet man auch in der Bibel. Mich hat immer die Langeweile geplagt. Die Öde der Texte. Und es empört mich daher als Liberalen, wie Zeitgenossen sich mit diesem leeren Stroh ernsthaft beschäftigen können.

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Sonntag, 18. Juni 2017
Geistig-Moralische Wendehälse

Helmut Kohl ist tot. Und bekanntlich sagt man über Tote nichts schlechtes. Außer über die schlechten Toten. Oder jene, die schon zu lange tot sind.

Also sagen wir über Helmut Kohl erst einmal was gutes: Er hat im November 1989 die Gelegenheit beim Schopfe gepackt und den Weg zur Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten durch entschlossenes Handeln geebnet. Daran zweifelt heute wohl kaum einer mehr. Auch nicht daran, dass zu viele Sozialdemokraten anno 1989 die DDR und ihren dümpeligen Sozialismus am liebsten bewahrt haben würden. Das also ist die historische Leistung von Helmut Kohl.

Und welche Leistung kann man darüber hinaus noch benennen? Was hat Kohl geschafft, das ihm einen Platz in der Geschichte einräumen würde? - Herzlich wenig. Die Auflösung des Staatsmonopols bei den Fernsehanstalten vielleicht, das Ende der Ladenöffnungszeiten womöglich. Doch das wars dann auch schon. Das aber ist im Grunde recht wenig, wenn man überlegt, wie großspurig die Maxime der ersten Regierung Kohl im Januar 1983 noch klangen: Es wurde von einer geistig-moralischen Wende geredet.

Was das genau war, wusste wahrscheinlich nicht einmal Kohl. Denn Theorie war nicht sein Ding. Es wäre ihm nicht in den Sinn gekommen, frankfurter Sozialphilosophen für wichtig, gar bedeutsam zu halten. Zeit seines Lebens hat er die selbsternannte westdeutsche links-liberale Elite mit Nicht-Beachtung gestraft. Kohl benutze die Wendung also nicht etwa als Rahmen für ein Programm; er nutzte sie allein als Schlagwort, das 1983 durchaus einem gefühlten Bedürfnis entsprach. Westdeutschland hatte sich von Studentenrevolte und linkem Terror leidlich erholt - doch beide hatten klammheimlich tiefe Wurzeln in den Köpfen geschlagen. Sie, diese Wurzeln, galt es durch eine geistig-moralische Wende zu kappen, auf dass sie sich nicht noch tiefer einkrallen könnten.

An diesem Punkt ist Helmut Kohl auf ganzer Linie gescheitert. Ja, seine Partei, die Christdemokraten, hat im Endeffekt mehr zur Auflösung einer rationalen, politischen Wertegesellschaft beigetragen, als sämtliche links-liberalen Kräfte zusammen. Seine Politik legte die letzten Grundlagen für eine Gesellschaft, in der jeder nur noch sich selber erkennt; eine Gesellschaft ohne im eigentlichen Sinne politisches Credo - denn jenes »es kann nicht sein«, mit dem heute politische Forderungen garniert werden, hat mit Politik wenig, umso mehr aber mit Wunschdenken zu tun.

Kohls Gegenspieler war zugleich auch das Gegenteil dieser unpolitischen Wohlfühlpolitik, die nicht mehr forderte, sondern nur noch bediente und deren fatale Folgen man heute beobachten kann. Bequem wollte Kohl es allen machen und dabei en passant auch noch seine persönlichen Freunde erfreuen. Die Wiedervereinigung, die er politisch in Europa erfasste, als Handeln angesagt war, haben er und seine Partei in den Jahren nach 1989 im Grunde vergeigt. Statt von jedem seinen Teil zu verlangen und das Zusammenwachsen als nationales Projekt zu verstehen, tauschte man Nationalgefühl gegen Geld und ersetzte den Segen einer Nation durch den Geldsegen der Treuhandanstalt.

Eine wirkliche geistig-moralische Wende hätte damals stattfinden können. Sie unterblieb. Im Bann des allen alles Recht machen zu wollen, bequemte man sich von Lohnanpassung zu Lohnanpassung, von Ausgleich zu Ausgleich - doch die Moral blieb die gleiche wie vorher. Es war und ist die Moral der Studentenbewegung - ja, da steht wirklich der Studentenbewegung. Bürgersöhne und -töchter, denen die Eltern am Ende alles verzeihen und denen sie vor allem ständig alles bezahlen. In diesem Sinne sind längere Öffnungszeiten und Rundumbedröhnung mit privaten Fernsehprogrammen genau das Sinnbild der Politik jener Jahre. Die Staatsverschuldung erklomm von da an immer neue, schwindelnde Höhen. Spiele und Brot verhieß die Devise. Die Christdemokraten wurden zu dem, was sie heute endgültig sind: Zu verkappten Sozialdemokraten. Nur eben die Spur langweiliger als jene es immer schon waren.

Mit Helmut Kohl begann der lange Weg in den Staat der Pseudomoral. Also einer Moral, die nichts kostet. Einer Moral, die sich vom Sentimentalitäten leiten lässt, statt politisches Denken zu fordern. »Wir müssen helfen«, heißt es unter Merkel, wenn es irgendwo brennt - über den Sinn der Hilfe macht man sich keine Gedanken. Der Egoismus in Form des Wohlgefühls des Helfenden ist ja befriedigt.

Eine geistig-moralische Wende fand damals nicht statt und sie fand auch später nicht statt. Das Ergebnis ist eine Gemeinschaft, die an ihren Wurzeln verrottet, während sie sich zugleich für die beste der möglichen hält. Diese braucht dringend eine geistig-moralische Wende. Hin zum Politischen einer rationalen Bürgergesellschaft. Weg von ideologisierten Ethikkommissionen. Aber vor allem auch weg von den christdemokratischen Wendehälsen, die sich in ihrer Morallosigkeit bei jedem bedienen und für die Angela Merkel in ihrer ganzen Geistlosigkeit das Symbol ist. In diesem tiefere Sinne ist Angela Merkel immer Helmut Kohls Mädchen geblieben. Die beiden gehörten zusammen. Sie hat das Werk, das er 1983 begonnen hatte, ab 2005 Zug um Zug Realität werden lassen.

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Mai Top
* Der Titel "Die Verheerung Europas" bezieht sich auf die Aufzeichnungen von Wilhelm Muehlon aus den ersten Tagen des Ersten Weltkriegs. Muehlon gehört zu den großen deutschen Intellektuellen, die heute praktisch vergessen sind. Sein Kriegstagebuch über den Zweiten Weltkrieg zählt zum besten und spannendsten, was über diese zweite europäische Katastrophe geschrieben wurde: Distanziert, zugleich beteiligt und immer mit einem Blick, den man sich für die heutige Zeit wünscht.
© Wolfgang Hebold
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